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Deutschland und Österreich : zur Halbjahrhundertfeier des Prager Friedens am 23. August 1866
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Deutschland und Osterreich

Zur Halbjahrhundertseier des prager Friedens am 2Z. August M6

von Dr. Z, von Newcrld

Der nachfolgende Aufsatz stammt aus der Feder eines Österreichers, Er bildet das Gegenstück zum Aufsatz des Reichsdeutschen Dr. Karl Buchheim, den wir anläßlich der Halbjahrhundertfeier des Nikolsburgec Friedens in Heft 29 d. I. veröffentlicht haben. Beide Verfasser gelangen unabhängig voneinander zu dem Ergebnis, daß der Friedensschluß zwischen Deutschland und Osterreich eines der im höchsten Sinne staals- männischen Meisterstücke Bismarcks war, und daß beide Parteien heute nur das betonen wollen, was sie nach langein Hader versöhnte.

Die Schriftleitung.

reißig Jahre werde der deutsche Krieg dauern so prophezeite man im Frühjahr 1866. In Wahrheit wahrte es vom Beginn der Feindseligkeiten bis zum Präliminarfrieden etwa einen Monat, und zwischen den ersten Schüssen in Böhmen und der Entscheidungs­schlacht lag eine Woche. Auch sonst lebte die Zeit vor dem Ringen in manchem Irrtum. Recht allgemein hielt man Österreich für den unbedingt stärkeren Teil, und in der Donaumonarchie selber herrschte eine ver­hängnisvolle Unterschätzung des Gegners. Man malte sich den Kampf mit Preußen meist optimistisch aus. Neben dem Haß gegen denStörenfried mit den drei Haaren", gegen denHerrn von Eisenblut", gab sich eine mit Miß­achtung gepaarte Abneigung gegen alles Preußische überhaupt in schärfsten Formen kund. Eine ähnliche erbitterte Aversion gab es in Norddeutschland nicht. Dort wollte ja lange kaum jemand den Krieg außer jenem einen, der eben stärker war als alle andern zusammen.

So kam der blutige Strauß, von dem Moltke höchst aufrichtig und in seiner großzügigen Art gesagt hat:Der Krieg 1866 ist nicht aus Notwehr gegen Bedrohung der eigenen Existenz entsprungen, auch nicht hervorgerufen durch die öffentliche Meinung und die Stimme des Volkes. Er ist ein im Kabinett als notwendig erkannter, längst beabsichtigter und ruhig vorbereiteter Kampf nicht für Ländererwerb, Gebietsvermehrung oder materiellen Gewinn, sondern für ein ideales Gut für Machtstellung". Stark aber war hüben und drüben der patriotische Gram ob des Bruderkrieges, ob des Kampfes Deutscher gegen Deutsche, der eine echte, frohe Begeisterung ausschloß. Mit posthumer Genugtuung stellen wir aber auch fest, daß dieser Krieg, nach heutigem