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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Theolog ie

Sonntagsfrieden in eherner Zeit. Pre­digten aus dem ersten Jahre des deutschen Welt­krieges 1914/15, gehalten von v. Dr. Rudolph Meincke, Pastor an der Hauptkirche zu St. Nikolai in Hamburg, Otto MeisznerS Verlag, Hamburg 1916. 301 Seiten.

Der Hamburgische Pastor Rudolph Meincke, der in theologischen Kreisen als ein Forscher von Tiefe und Gründlichkeit, als ein Schrift­steller von vollendeter Form und edler Klar­heit bekannt ist, veröffentlicht in diesem Buche sechSunddreitzig Kriegspredigten, die der theo­logischen Fakultät zu Gießen als Dankesgabe für die Verleihung der theologischen Doktor­würde zugeeignet sind. Außer diesen aus­zeichnenden Fähigkeiten seines wissenschaft­lichen Berufes verraten diese Predigten noch eine andere, welche die Persönlichkeit des Verfassers auch außerhalb der Fachkreise an­ziehender erscheinen lassen, als es sonst einer stillen Gelehrtengestalt oder ernsten Seel­sorgerpersönlichkeit beschieden zu sein Pflegt, die fernab von der breitgetretenen Heerstraße agitatorischer, alltäglicher Popularität ihre eigenen Bahnen wandelt. Aus dem Zusam­menwirken alter, hanseatischer Tradition und harmonischer Individualität bildet sich eine Mischung feinen, geistigen Duftes, dessen ein­zelne Bestandteile denen, die Hamburgischem Leben und Empfinden ferner stehen, oft etwas unverständlich bleiben, weil diese kulturelle Überlieferung, die auf eine gewisse, stolze Geistesaristokratie zurückgeht, außerhalb Ham­burgs so selten beachtet und erkannt wird. Hamburg ist von jeher ein Zentrum nord- Westdeutscher Kultur gewesen, und dieser leise mitschwingende Oberton eines vornehm ge­stimmten Wesens gibt auch diesen Predigten die Persönliche Note, die sie in hervorragen­dem Maße auszeichnet und charakterisiert.

Vom ersten August des Jahres 1914 bis zum gleichen Tage des folgenden Jahres begleiten uns diese religiösen Reden. Meincke hat sich keine Mühe verdrießen lassen und so lange gearbeitet, bis die vaterländische Stimmung, die ihn beseelte, auch im religiösen Denken ohne Rest aufgegangen ist, bis alle Ahnun­gen und Hoffnungen, die das deutsche Volk an diesen Weltkrieg knüpft, für die Erbauung und Glaubensfreudigkeit der Gemeinde frucht­bar gemacht sind. Dadurch ist ein Predigt- Werl entstanden, das auf allen äußeren blen­denden, rhetorischen Effekt verzichtet, dafür aber das Gepräge bleibenden Wertes in sich trägt, als eine wirkliche Bereicherung der homiletischen Literatur anzusprechen ist und als eine dauernde Erinnerung an das erste Kriegsjahr gelten darf. Dabei muß mit be­sonderer Freudigkeit hervorgehoben Werden, daß man nicht den Großstadtgeistlichen hört, der nur gebildete Kreise um seine Kanzel sammelt, nicht den modischen Pastor, den jeder in der Stadt einmal gehört haben muß. MeinckeS Art ist bei aller heiligen und er­hebenden Keuschheit der Sprache immer schlicht, volkstümlich und der einfachsten Volks­seele verständlich. Mit homiletisch vollendeter Meisterschaft ist das Bibelwort gewählt und ausgelegt, und dieser biblische Grundton stellt die Zusammengehörigkeit der in der Heimat lauschenden Gemeinde mit den im Schützen­graben ihre Bibel lesenden Söhnen und Brüdern unseres Volkes her, die auch in diesen Predigten durch Briefe, Feldpostkarten, Lieder und Gebete zu Wort kommen. Ein unendlich wertvolles Material zur Beurteilung unserer Zeit und Kulturgeschichte liegt in diesem Bande aufgespeichert, dessen Wert nicht nur in der Form, sondern noch mehr im Inhalt liegt. In vaterländischer Selbstlosig­keit ist der Neinertrag des Buches für kirch­liche Zwecke bestimmt. Sehr gern erfüllt