skandinavismus
von Dr. Elfe Lzildcbrandt
as neunzehnte Jahrhundert steht — es ist bereits ein volkstümlicher Gedanke — im Zeichen der Konsolidierung großer Staatsund Völkergruppen. Der Einzelstaat strebt auch im Frieden nach Bundesgenossen, die seine politischen und wirtschaftlichen Ziele erweitern und unterstützen. Ist die Kopenhagener Konserenz, zu der die Regierungsvertreter der drei skandinavischen Staaten über Fragen der auswärtigen Politik wieder zusammentraten, ein Ausfluß dieser großen Entwicklung?
Das Streben nach einem Zusammenwirken Schwedens, Norwegens und Dänemarks, eine Bewegung, die man mit dem Namen „Skandinavismus" bezeichnet, ergibt sich mit natürlicher Notwendigkeit aus der engen Stammesverwandtschaft der drei nordischen Staaten, der benachbarten geographischen Lage, ihrer geschichtlichen Entwicklung und der Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten in vielen ihrer sozialen, politischen und sonstigen kulturellen Verhältnisse. Und so nimmt es nicht wunder, daß wir die Wurzeln des Skandinavismus bis weit zurück ins Mittelalter verfolgen können, als Margaretha in der Kalmarischen Union 1397 die drei Reiche unter ihrem Szepter vereinigte.
In dieser Zeit ging der „Skandinavismus" von Dänemark aus wie bei seiner Wiedererweckung im Anfang und in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts.
Der freie schwedische Bauernstand, der die Geschicke der alten Landgemeinden bis zum Erlaß des Reichsgesetzes 1350 selbständig geleitet hatte, trug ungern das dänische Joch. Er haßte die dänischen Vögte noch mehr als den schwedischen Adel, der im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert an Bedeutung gewonnen hatte. Aber der Aufstand der Bauern Dalarnes 1434 verhütete nicht nur das Aufkommen eines Feudalismus in Schweden, fondern mit ihm erwachte auch wieder unter dem heldenhaften Bauernführer Engelbrekt das schwedische Nationalbewußtsein, sodaß auch in der Unionszeit die schwedischen Reichsverweser den dänischen Königen die Spitze zu bieten wagten.
Seit Auflösung der Union machte sich Schweden immer unabhängiger von dem Nachbarlande Dänemark. Im dänischen Kriege gelang es Schweden 1658, sein Territorium zu erweitern und seine Landesgrenzen bis zum Meere vorzuschieben, indem es im Roskilder Frieden die drei südlichen Provinzen des