Die wirtschaftliche Bedeutung der Jagd
von Julius R, Haarhaus
er Weltkrieg und die durch ihn herbeigeführte Notwendigkeit einer möglichst zweckmäßigen Ausnutzung der in Deutschland vorhandenen Naturschätze haben, besonders seit sich ein Knapperwerden der Fleischnahrung bei uns geltend macht, die Aufmerksamkeit weiter Kreise ^ auf die Jagd und die Verwertung der Wildbestände gelenkt. Daß bei der Landbevölkerung in manchen Gegenden unseres Vaterlandes sogleich nach dem Kriegsausbruch die Anschauung laut wurde, nun sei die Jagd für jedermann frei, ist nicht weiter verwunderlich. Dieser Meinung lag ohne Frage eine dunkle Erinnerung au längst vergangene Zeiten und Verhältnisse zugrunde, an Zeiten, in denen der Kriegszustand gleichbedeutend mit der Auflösung aller staatlichen und bürgerlichen Ordnung war. Weit bedenklicher waren die auf einen ähnlichen Ton gestimmten Erörterungen in einer Anzahl von Tageszeitungen, und zwar gerade in solchen Blättern, die von jeher der Eigenart des deutschen Volkstums. also auch dem deutschen Weidwerk, verständnislos und feindselig gegenübergestanden haben, und die sich nun plötzlich von einem bis zum Äußersten gehenden Wildavschusse Rettung aus aller Not versprachen. Was bei solchen Maßnahmen herauskommt, sollte doch die Zeit der sogenannten Jagdfreiheit, 1848—1850, zur Genüge dargetan haben.
Daß ein noch so gründlicher Wildabschuß, ganz abgesehen von seinen auf Jahrzehnte hinaus fühlbaren wirtschaftlichen Folgen, nicht imstande wäre, für die verminderte Fleischerzeugung und -einfuhr auch nur für wenige Wochen Ersatz zu bieten, leuchtet jedem ein, der sich die Mühe nimmt, einmal über die geschichtliche Entwicklung der Jagd nachzudenken. Gewiß hat es eine Zeit gegeben, wo für unsere Vorfahren das Weidwerk die bei weitem wichtigste Nahrungsquelle war. Sogar noch im späten Mittelalter war das Wild die Hauptnutzung der Wälder, neben der die Holznutzung weit zurücktrat. Aber die zunehmende Besiedlung des Landes, die Verbesserung des Getreidebaues und der Viehzucht, das Aufkommen einer geordneten Forstwirtschaft haben die Wildbestände allenthalben so stark verringert und damit das Weidwerk als Erwerbszweig so gewaltsam zurückgedrängt, daß es wirklich zuviel verlangt ist, wenn man fordert, die Jagd solle heute, unter gänzlich veränderten Verhältnissen, die von ihr vor einem halben Jahrtausend gespielte Rolle wieder aufzunehmen.
Leider herrschen beim großen, nicht weidmännisch gebildeten Publikum — und daran trägt zum guten Teil unsere Tagesprefse Schuld, die über jagdliche