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vom Kulturwert des Architekturstudiums
ordentlich erleichtert, sie können nicht selten als das auf den knappsten Ausdruck gebrachte Symbol der Bevölkerung gelten.
Dabei ergibt sich allerdings eine Schwierigkeit: die verhältnismäßige Spärlichkeit guter neuerer Bauten. Der überwiegende Teil unserer bedeutenden Architekturwerke stammt aus Zeiten, die eine andere Formensprache hatten als die unsrige. Und wie man sich in die Sprache der Minnesänger oder Luthers erst einlesen muß, so muß man auch die Sprache der Gothik oder Renaissance erst verstehen lernen.
Diese Mühe des Einlesens zu erleichtern, ist, soweit der Laie in Frage kommt, die eigentliche Aufgabe der Architekturgeschichte. Sie macht die Zeichen der Stilsprachen in ihrer Bedeutung klar, ermöglicht schnelleres und zugleich durchdenkendes Lesen und Behalten, sie bereitet auf das Allgemeine vor und läßt dadurch das Individuelle zu präziserem Ausdruck gelangen. Sie macht den aufnehmenden Sinn empfänglich und schärft ihn, indem sie ihm das Verschiedene ins Bewußtsein rückt, zur Aufnahme des gegenwärtig Angeschauten. Allerdings ist in den meisten populären Handbüchern mit den üblichen Datenreihen und Stiletikettea von einer Erfassung dieser Aufgaben noch wenig zu merken, umso nachdrücklicher wird man deshalb auf Werke hinweisen müssen, die ihnen gerecht werden.
In diesem Sinne ist das unlängst erschienene Buch von Paul Frank!, „Die Entwicklungsphasen der neueren Baukunst" (Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin 1914), nachdrücklich zu empfehlen. Es behandelt in der Hauptsache den schon in Wölfflins erstem Hauptwerk betrachteten Übergang von der Renaissance zum Barock und kommt auf Grund einer ausgebreiteten Denkmälerkenntnis und guter Analyse zu sehr schönen Ergebnissen, die vieles bisher im Dunkeln Liegende klären. Nach den Elementen der Baukunst: Raumform, Körperform, Erscheinungsform und Zweckgestnnung teilt Frankl seine Betrachtung ein (daß er nicht mit der letzteren begann, um sich durch eine der üblichen kulturhistorischen Einleitungen, deren Problematisches er vortrefflich darlegt, die Sache zu erleichtern, sei ihm hoch angerechnet) und stellt folgendes fest: die Renaissance addiert in sich klare Räume, das Barock teilt den Raum in Bruchstücke; die Renaissance bildet einen zentripetalen, in sich geschlossenen Körper aus. das Barock gibt ein von irrationaler Bewegung durchstürmtes Element; die Renaissance gibt klare, leicht faßbare Übersicht: „Einsilbigkeit", das Barock „Vielbildigkeit", d. h. die Ansichten verändern sich wesentlich unter verschiedenen Gesichtspunkten; die Renaissance endlich geht auf Ausbildung einer Gesamtharmonie aus, das Barock hebt einzelne Töne hervor. Das Rokoko aber bildet in allem eine Steigerung des Barock: der Raum wird durch Benutzung infinitesimaler Raumformen kompliziert, die Bewegung wirbelt durcheinander, die Überraschungen werden aufs höchste gesteigert, selbst der Sakralbau bekommt das kapriziöse Weltmannstum, das im Profanbau üblich wird. Einige besonders deutliche Beispiele mögen diese Skizze ergänzen.