408
Vom Rulturwert des Architekturstudiums
selber zur bedeutungslosen „Schachpuppe" geworden ist, um den sich im eigenen Lande, seit Eduard dem Siebenten, kein Minister und kein Volk mehr zu kümmern scheinen. Die Handhabung des politischen oder religiösen Meuchelmordes bei den slawischen Völkern war so mannigfaltig, daß die Behandlung dieses Themas einen Artikel für sich fordern würde.
Es lag mir daran, an diesen flüchtig gezeichneten Bildern aus einer gewalttätigen Vergangenheit zu zeigen, wie gering die moralischen und kulturellen Errungenschaften aus den Lehren der Jahrhunderte bei unsern Feinden anzuschlagen sind. Mögen sie mit dem Versuch, die Mordberechtigung der Regierung wieder einzuführen, auch probieren, das rollende Rad der weltgeschichtlichen Entwicklung um einige Jahrhunderte zurückzudrehen! Es wird ihnen nicht gelingen, toten Absolutismus gegen den lebendigen Geist eines Volkes zu neuem Dasein zu wecken.
Vom Aulturwert des Architekturstudiums
von Dr. R. Schacht
eitdem man vor nicht viel länger als einem Jahrzehnt erkannt hat, daß die lediglich auf Empfänglichkeit für schöne Literatur gerichtete Bildung der künstlerischen Aufnahmefähigkeit leicht zu einer gefährlichen Verflachung, einer zerstreuenden, jeder stofflichen Sensation haltlos nachgebenden Zersplitterung führt, und sich der Notwendigkeit bewußt geworden ist, die hochfliegende, aber ungefüge Phantasie des Deutschen mit finnlichen Eindrücken von äußerster Klarheit und Ein- drücklichkeit zu speisen, sein ungestümes, aber leicht schwärmendes, seine Kraft verflatterndes Gefühl an der Erfassung einer durchgebildeten Formensprache zu läutern, zu bilden, formvoll zu bändigen, kann man ohne Übertreibung behaupten, daß die Gewinnung des Laien für die bildenden Künste das kunstpädagogische Problem geworden ist. Nur über den Weg, auf dem dieser am besten zu einer solchen, für eine gesunde Sinnenkultur unerläßlichen Aufnahmefähigkeit für Werke der bildenden Kunst geführt werden kann, besteht noch keine rechte Einigung. Die Entwicklung der modernen Abbildungstechnik, aber auch der Museen und des Ausstellungswesens haben einstweilen die Beschäftigung mit der Malerei und den zeichnenden Künsten in den Vordergrund treten lassen. Jedoch gerade hier verfällt der literaturgewöhnte Laie am leichtesten der Gefahr, sich mit dem bloßen Ersassen des dargestellten Gegenstandes zu