Die wirtschaftliche Annäherung zwischen dem Deutschen Reiche und seinen Verbündeten
von Dr. H. v. Langermann
u den vielen Abhandlungen und sonstigen öffentlichen Äußerungen über einen engeren wirtschaftlichen Zusammenschluß der verbündeten Länder, insbesondere Deutschlands und Österreich-Ungarns, ist nunmehr auch ein starkes, zweibändiges Werk des Vereins für Sozialpolitik, der ja schon mehrfach zu wichtigen Fragen unserer Wirtschaft«- und Handelspolitik das Wort genommen hat, getreten.
Die Veröffentlichung des Vereins für Sozialpolitik trägt den Titel „Die wirtschaftliche Annäherung zwischen dem Deutschen Reiche und seinen Verbündeten", ist erschienen im Verlage von Duncker und Humblot, München und Leipzig 1916, und herausgegeben im Auftrage des Vereins von dem Profefsor der Staatswissenschaften an der Universität zu Berlin, Dr. Heinrich Herkner.
Man wird — welchen Standpunkt man in der Frage auch einnehmen mag — nicht verkennen können, daß dieses Werk wohl das wertvollste, umfassendste und tiefste ist, das bisher über dieses schwierige und bedeutende Problem erschien.
Sein Vorzug beruht vor allen Dingen darin, daß in ihm das Problem in einer ganzen Anzahl unabhängiger Aufsätze nicht nur von einer Seite, sondern von vielen verschiedenen Seiten beleuchtet und von meist hervorragenden Fach- kcnnern besonderer Spezialgebiete kritisch untersucht wird.
Ein weiterer Vorzug des Werkes ist darin gegeben, daß es, im Gegensatz zu vielen anderen Arbeiten auf diesem Gebiete, fast nur die nackten wirtschaftlichen Tatsachen behandelt und allein aus ihrer Erkenntnis Möglichkeit, Form und Umfang einer wirtschaftlichen Annäherung betrachtet. Das Werk wird dadurch den Worten des preußischen Handelsministers Sydow gerecht, die er in der Sitzung des Abgeordnetenhauses am 19. Februar dieses Jahres aussprach: „Wirtschaftliche Fragen sind keine Gefühlsfragen".
Man soll freilich das Gefühlsmoment, wo es hingehört, nicht unterschätzen, so z. B. in der Politik. Der Verein für Sozialpolitik will aber offenbar durch seine Veröffentlichung nur wissenschaftlich-objektives Material zum besseren Verständnis des ganzen wirtschaftlichen Problems liefern. Man muß anerkennen, daß er den wirklichen Dingen voraussetzungslos zu Leibe gegangen ist. Es kam ihm wesentlich darauf an, für die richtige Erfassung der politischen Leitmotive, die von