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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Philosophie

Max Scheler, Abhandlungen und Auf­sätze. 2 Bände. Leipzig, Verlag der Weißen Bücher 1916.

Die Philosophischen Schulen der jüngsten Vergangenheit waren im allgemeinen dadurch gekennzeichnet, daß sie einen Philosophen der Vergangenheit Kant, Fichte, Schelling, Fries, Hegel der Gegenwart neu er­schlossen, um so zum Weiterbauen eine Grund­lage zu schaffen. Es war von vornherein daS Charakteristiken der jungen Göttinger Phänomenologenschule, die sich unter dem Borgang Edmund Husserls zu einer engen Methodengemeinschaft zusammenschloß, daß sie in unabhängigerer Weise, weniger belastetdurch historisch übernommeneProblemstellungen, nach neuen Pfaden des Philosophischen Denkens Ausschau hielt. Während Husserl dem Ge­biete treu blieb, an dem er als erster die neuartigen Untersuchungen einsetzte: der Logik und Erkenntnistheorie, zeigte schon das 1913 herausgekommeneJahrbuch für Philosophie und Phänomenologische Forschung", in dem die Schule sich ihr Organ schuf, daß dieser neue Jntuitionismus durchaus einer weiteren Anwendung fähig war. So lenkte ihn u. a. Geiger auf das ästhetische, Neinach auf das rechtsphilosophische und Max Scheler auf daS ethische Gebiet. Während der Letztgenannte an jener Stelle eine streng fachliche Grund­legung der philosophischen Ethik versuchte und auch in einem andern Werk über die Sympa­thiegefühle die neue Methode mit einer ge­wissen wissenschaftlichen Exklusivität handhabte, zeigen die soeben gesammelt erschienenen Ab­handlungen und Aufsätze, wenigstens zum größeren Teil, ebenso wie das kurz vorauf­gegangene Werk: Der Genius des Krieges und der Deutsche Krieg, daß es dieser Philo­

sophie bei aller systematischen Strenge ge­geben ist, auch ein breiteres Bildungspublikum an ernsthafte philosophische Probleme heran­zuführen, und in den Fragen, die der All- tagsjournalismus mit dem abgenutzten Werk­zeug der gedanklichen Konvention bearbeitet, ihre auf allgemeinere systematische Zusammen­hänge weiterweisende Problematik aufzudecken. Und noch deutlicher vielleicht als in den früheren wissenschaftlicheren Werken tritt hier zutage, daß der Schelersche Gedanke zu breit ist, um im Nahmen einer Schulphilosophie Platz zu haben. Teilt er mit den Göttingern auch die formale Methode der Wesensschau: der ideale Gehalt seines Werks weist auf andere reichere Quellen, und das so entstan­dene Ganze erweist sich als ein blutvollerer, plastischerer Organismus als die bei aller Subtilität doch ein wenig dünne Analyse Husserls.

Indem nun so die ideellen Quellflüsse, die hier sich zu einem stark mitreißenden Strome zusammengefunden haben, aus den verschie­densten Richtungen entsprungen sind, kann auch Zustimmung und Widerspruch sich viel weniger eindeutig entscheiden, als etwa Husserl gegenüber. Was Conrad Ferdinand Meyer seinen Hütten sagen läßt: Das heißt: ich bin kein ausgeklügelt Buch, Ich bin ein Mensch mit seinem Widerspruch" das gilt auch in hervorragendem Maße von der denkerischen Person Schelers. So ver­einigt sich in ihr mit einer fast romantischen Haltung gegenüber dem mittelalterlichen Katholizismus und einer scharfen Ablehnung der neuzeitlichen Einheit von Protestantismus, Kritizismus, Kapitalismus doch ein merk­würdig entschlossener Wille, diese neuzeitlichen Ideen nun gerade zu Ende zu denken, um so an ihre Grenze zu gelangen und erst dort die neuen positiven Ideen anzusetzen. Der