Die französische Internationale
von Dr. Fritz Roepke
„Die Proletarier haben kein Vaterland" Karl Marx
urch Marx hatte der Gedanke einer internationalen Annäherung neue Entwicklungsmögltchkeiten bekommen. Bisher war er Eigentum der Philanthropen und Aufklärer gewesen, die mit ihm ein geistiges und ethisches Ideal verbanden. Marx gab ihm eine neue, ma- ^ terialistische Grundlage und forderte die wirtschaftliche Umgestaltung der Gesellschaft ohne Rücksicht auf die nationalen Grenzen. Durch die Schaffung des Begriffes Klassenkampf ergab sich eine neue Einteilung, ein Querschnitt, der nicht so sehr den geschichtlichen Aufbau der Kulturmenschheit erkennen ließ als die Gleichheit der Lebensbedwgungen unter sich verschieden gearteter Schichten.
In folgerichtiger Durchführung seines Systems faßte er den Gedanken eine» internationalen Arbeitervereinigung. „Arbeiter aller Länder, vereiniget Euch!" Es hat in vielen Ländern Jahre gedauert, ehe dieser Ruf seiner Abstraktion entkleidet wurde, bis er greifbar geworden war und Taten auslöste. Am schnellsten wurde dies in Frankreich erreicht, wo von jeher Systembildungen religiösen Glauben und praktischen Fanatismus erzeugt haben. Der Hang zur Symmetrie, die Neigung, Ideen und theoretische Konstruktionen in die Wirklichkeit zu projizieren, führte von Rousseauschen Gedanken, von der Erklärung der Menschenrechte und dem „LerA8S2 l'inkame" Voltaires geradenwegs zur Gleichmacherei und Demokratisierung und blindem, einseitigem Haß gegen alles Kirchliche. Revolution und Antiklerikalismus sind die unmittelbare Fortführung von Ideen und Theorien mit anderen Mitteln. So fanden sich in Frankreich auch am schnellsten bewußte Anhänger des internationalen Gedankens, der allerdings gerade bei der konstruktiven, gradlinig dogmatischen und weniger empirischen Grenzboten I 19t« 17