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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches Zgz

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Geschichte

Quellensammlung fiir den geschichtliche« Unterricht an höheren Schulen, herausgegeben von G. Lamlieck, Geh. Reg.-Rat u. Ober-Reg.- Rat b. d, Provinzialschulkollegium Berlin, in Verbindung mit Professor Dr. F. Kurze-Berlin und Oberlehrer vr. P. Rühlmann > Leipzig. Verlag von B. G. Teubner, Leipzig und Berlin. 1913 ff.

Deutsch sein heißt: den Dingen auf den Grund gehen. Die Reformation, die kantische Philosophie, die Wissenschaft vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur jüngsten Gegenwart diese drei unsterblichen Leistungen des deutschen Geistes sie zeugen von der Wahrheit jenes Wortes. In einem besonderen Maße gilt es von unserer heutigen Geschichtswissenschaft. Die Namen Niebuhr und Ranke, Mommsen und Eduard Meyer sagen genug. Ich meine hier nicht die Geschichtschreibung, sondern die Ge­schichtsforschung: die Erschließung der Quellen: ihre umfassende Auffindung und systematische Sammlung; ihre kritische Sichtung, unerreichte Analyse und dementsprechende Wertung und Verwertung.

Mit der deutschen Wissenschaft hat unsere höhere Schule, d. h. in erster Linie unsere Gymnasien, stets in enger Verbindung ge­standen. Gerade darauf beruht mit ihr einzig­artiger Wert, der sie von den höheren Schulen z. B. Englands grundlegend unterscheidet. Hat doch die deutsche höhere Schule die Fort­schritte der Forschung stets mit lebendiger Teilnahme begleitet und in vielen ihrer besten Vertreter durch selbständige Mitarbeit ge­fördert. Es ist daher nur natürlich, wenn angesichts der märchenhaften Erfolge unserer Geschichtswissenschaft ein berufener Vertreter des preußischen höheren Schulwesens den Ge­danken gefaßt hat, eine Auslese aus den Quellen der gesamten Geschichte von der mykenischen Periode bis zu Bismarcks Entlassung in einer Anzahl von Heften allgemein zugänglich zu machen. Unter Geschichte versteht der Heraus­geber natürlich die gesamte geschichtliche Ent­

wicklung der Menschheit, von der die politische nur ein, wenn auch noch so wichtiger, Teil ist.

Ein so weitausschauendes Unternehmen war nur bei weitgehendster Arbeitsteilung mög­lich. Und man darf es heute mehr denn je mit Stolz sagen: es war nur in Deutschland möglich. Freilich, wie weit das groß Gedachte Wirklichkeit werden sollte, das hing in erster Linie von der Gliederung der ungeheuren Sloffmasse und von der Auswahl der Mit­arbeiter ab. Aber nach den bisher erschienenen etwa 50 Heften zu urteilen, ist der Heraus­geber in der Auswahl der Mitarbeiter geradezu erstaunlich glücklich gewesen. Ja, es scheint nicht zu viel gesagt, daß dies Unternehmen eine neue Epoche in unserem Geschichtsunter­richt hoffentlich auch der Volksschule! heraufführen wird, in unserem Geschichtsunter­richt, der gerade durch den jetzigen Weltkrieg eine von vielen ungeahnte Bedeutung erhalten hat, die nie wieder verdunkelt werden kann.

Hier aber sei in äußerster Kürze versucht, nicht vom Standpunkt der Schule, sondern vom Standpunkt des Historikers aus anzu­deuten, welche Bedeutung dies monumentale Unternehmen für unser Volk überhaupt ge­winnen kann.

Die ganze Sammlung ist in zwei Reihen gegliedert. Die erste (I) gibt in 17 Heften (jedes Heft umfaßt 32 Seiten und ist für 40 Pf. einzeln käuflich) eine Auslese aus den Quellen für die Hauptereignisfe der geschichtlichen Ent­wicklung. Ich nenne einige Titel: 13: Alexander der Große und der Hellenismus. 16: Die römische Kaiserzeit und die Germanen. I 7: Völkerwanderung und Frankenreich. I 10: Re­formation. I 16: Im neuen Deutschen Reich. Von solchen der zweiten Reihe, für die etwa 100 Hefte in Aussicht genommen sind, um für die einzelnen geschichtlichen Erscheinungen ein erlesenes Quellenmaterial zu bieten: II 1: PerikleS. II 6: Die Ausbreitung der griechi­schen Kultur. II 9: Die Gracchische Bewegung. 11: Die religiös-Philosophische Bewegung des Hellenismus und der Kaiserzeit. 13: Staat und Verwaltung der römischen Kaiserzeit.