Ein mitteleuropäisch-vorderasiatischer Hchiedsgerichtsbund
von Dr. Uarl Mehrmann
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edanken, einmal ausgesprochen, sterben nicht. Sie können verkrüppeln; sie können vervollkommnet werden; sie können in andern Ideen aufgehen. Aber ihre Spur läßt sich niemals ganz verwischen.
Selbst ein Gegner des Pazifismus, erkenne ich sogar in einer Zeit, die seinem Wollen so ganz entgegengesetzt ist wie die heutige, in seinem System lebendige Kräfte, die nicht verloren gehen können. Die Sehnsucht nach ewigem Frieden freilich hat die schönste Formulierung ihres Programms schon vor bald zweitausend Jahren gefunden, in der Weihnachtsbotschaft für alle Menschen, die guten Willens sind. Bis die Welt in Rauch und Flammen verzehrt oder in Schnee und Eis erstarrt ist, wird die Friedenssehnsucht ewig neue und immer zartere Töne veredelter Menschlichkeit aus dem Gebot christlicher Nächstenliebe hervorlocken. Jedoch, wer in aller Welt wird jemals den Punkt entdecken, an dem die Politik glatt in das Gedankenreich der Friedensfreunde mündet und restlos darin aufgeht? Der Staatsmann und der Historiker haben in dem Kampf von jeher eine gottgewollte Notwendigkeit gesehen. Und wenn Moltke als Soldat den ewigen Frieden einen Traum und nicht einmal einen schönen nannte, so hatte ihm der Philosoph Heraklit schon vor mehr als zweitausend Jahren die Begründung vorweg genommen: der Kampf ist der Vater aller Dinge. Nun ist der Weltkrieg in alle Phantasien, die die letzte Friedenszeit wieder so üppig hatte wuchern lassen, mit rauher Hand hineingefahren. Die blühenden Hoffnungen der Pazifisten sind geknickt. Im Haag steht der Friedenspalast verödet, und Mars regiert die Stunde.
Und alles wäre unter dem Schutt und den Trümmern, die der große Weltenbrand auf die gestürzten Utopien der Friedensliebhaber gehäuft hat, erstickt? Aus schmalen Ritzen und Fugen ringelt sich der Schiedsgerichtsgedanke Grenzboten l 1916 7