Beitrag 
Der Weltkrieg
Seite
259
Einzelbild herunterladen
 

Der Weltkrieg

»VM'U^N

^HFj^sH

^N^-HD'

Von Dr, l^acndcke

Die nachfolgenden Ausführungen decken sich nicht mit den gegenwärtig vorherrschenden Ansichten, da sie indessen manchen beachtenswerten Gesichtspunkt enthalten, seien sie unseren Lesern unterbreitet.

Die Schriftleitung

er in diesen Tagen ausgebrochene Krieg ist im wahren Sinne des Wortes ein Weltkrieg. Es wird keinen Staat, keinen Kon­tinent geben, der nicht unmittelbar oder mittelbar in seine Kreise hineingezogen werden wird. Seine Folgen werden vor allem für die kriegführenden Parteien die schwerwiegendsten sein: auf Menschenalter hinaus wird sein Ausgang das Weltgeschehen bestimmend beein­flussen. Denn ein jeder der Gegner kämpft um seine politische und wirtschaft­liche Existenz. Um volle Klarheit zu gewinnen, wird man die Gegner und die sie bestimmenden Gründe einer genauen Betrachtung unterwerfen müssen. Die Seele des Dreiverbandes ist zweifellos England. Rußland und Frankreich haben in seinem Auftrag den Krieg heraufbeschworen: England trifft an seinem Ausbruch die volle moralische Verantwortung. Daß man diese Sachlage in Berlin klar übersah, bewies die kurze Abfertigung des englischen Ultimatums, das wie die ganze Vermittlungsaktion den Verbündeten auch nur einen Zeit­gewinn bringen sollte. Man wird sich nun nach den Gründen fragen, die die Mächte zu dem Kriege veranlaßten, obwohl der Zeitpunkt weder für Rußland noch für Frankreich besonders günstig ist. Es ist von vornherein im Auge zu behalten, daß die ganzen diplomatischen Verhandlungen, die zu diesem Ergebnis führten, doch nur das Resultat einer schon vorher vorhandenen Sachlage, der Ausdruck der durch diese geschaffenen Stimmung darstellen. So war es von je bei allen großen Kriegen, die letzten Endes ebensowenig Kabinettskriege sind, als sie etwa dem Ehrgeiz eines einzelnen oder einer Partei ihren Ursprung verdanken. Und so verhält es sich auch heute. Was konnte also England veranlassen. Deutschland durch Nußland und Frankreich den Krieg erklären zu lassen und sofort an deren Seite in diesen einzutreten. Offenbar haben jene Politiker beider Länder Recht, die da meinen, eine Todfeindschaft zwischen

17*