Deutschland und der neue Arieg
Salzburg, den 29. Juli 1914
ie Würfel sind gefallen! Die Habsburgische Monarchie hat den Krieg gegen Serbien erklärt, hat die Feindseligkeiten gegen den tückischen Feind begonnen. Als gestern in früher Abendstunde die Nachricht davon in den Straßen Salzburgs bekannt wurde, war es, als fiel ein Alp von allen Gemütern. Sowohl in Bad Gastein wie hier waren in den letzten Tagen Zweifel aufgetaucht, ob nun die österreichisch - ungarische Diplomatie wirklich ernst machen und dem durch den Fürstenmord von Serajewo unerträglich gewordenen Zustande ein Ende bereiten würde. Mau war beunruhigt, da Kaiser Wilhelm angeblich seine Nordlandsreise nicht abbrach, und wenn man auch nicht annehmen wollte, daß Kaiser Franz Josef vor den drohenden russischen Rüstungen zurückweichen würde, so fürchtete man doch das plötzliche Auftauchen „höherer Interessen", die man im bescheidenen Untertanenverstan.de nirgends zu erkennen vermochte. Die Meldungen von der Versicherung der deutschen und dann auch der italienischen Bundestreue hatten zwar die Hoffnungen gestärkt, daß es kein Zurück mehr geben könne, aber die Erfahrungen mit der österreichischungarischen Diplomatie in den letzten Jahren waren doch zu bitter gewesen.. . Eduard Greys Rede und die ersten Gerüchte von seinem Vermittlungsversuch zwischen Rußland und Österreich - Ungarn vertieften den Pessimismus. Um so größer ist nun die Erleichterung. Man fühlt hier ganz Grenzboten III 1S!4 13