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Bücher zur neueren deutschen Literatur
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Bücher zur neueren deutschen Literatur

von Dr. Karl Freye

an kann nicht sagen, daß die heutige wissenschaftliche Literatur­geschichte sonderlich viele Werke schüfe, die den gebildeten Laien interessieren. Dabei wendet sich diese Wissenschaft doch auch hie und da schon ganz moderneil Dichtern zu, die der unwissenschaft­liche Literaturliebhaber aus seiner häuslichen Lektüre genau kennt. Aber sie bleibt in der Regel bei Emzeluntersuchungen stehen, schreitet selten zu Darstellungen vor. Und wenn man von dem echten Literarhistoriker verlangen soll, daß er selbst ein Stück Künstler ist und zu gestalten vermag, so bleibt kein anderes E»durteil übrig als: die heutige deutsche Literaturgeschichte ist trotz der unendlichen Fülle von Einzeluntersuchungen ganz erstaunlich unproduktiv. Da kann man sich denn nicht wundern, wenn andere von einem Felde Früchte zu sammeln suchen, das zwar unermüdlich beackert wird, aber von dem niemand erntet.

Als eine Art Folge des Mangels an darstellenden Arbeiten der deutschen Literaturgeschichte möchte ich es schon bezeichnen, daß es französische Schriftsteller nun bereits mehrfach unternommen haben, das Leben und die Wnke deutscher Dichter im Zusammenhange zu bearbeiten. Bei dem nach Frankreich aus­gewanderten Georg Herwegh mag man das ohne weiteres begreiflich finden. Aber es gibt auch französische Bücher über Grillparzer, über Jeremias Gotthelf und selbst über Jean Paul. Und wie das französische Grillparzer-Buch August Ehrhards, so ist nun auch jetzt die Rosegger - Biographie von A. Vulliod ins Deutsche übersetzt, in beiden Fällen von Moritz Necker (Peter Nosegger, Sein Leben und seine Werke. Leipzig, Verlag von L. Staackmcmn, 1913). Das ist bei wertvollen und gewissenhaften Werken ja auch durchaus angebracht, zumal wenn, wie der Übersetzer des Nosegger-Buches bemerkt, die deutsche Literaturwissenschafttrotz gerechter und liebevoller Würdigungen des Dichters die gleiche Aufgabe noch nicht geleistet hat".

In Deutschland selbst aber ist infolge jenes Mangels an solchen literar­historischen Büchern, die jeden gebildeten Menschen interessieren können, seit