Wilhelm Driewer, der Ainderfreund
Die Geschichte einer Tierschauncicht von Margarete Mindthorst (Schluß)
Wilhelm Driewer stand an dem Wege, der zur Wiese abführte, als sich unversehens eine Hand unter seinen Arm schob und ein Gesicht sich dicht on seines drängte.
„WilmI"
Er fuhr herum. Er hatte an Rika nicht mehr gedacht, aber nun war sie dicht genug bei ihm, daß sie ihm genugsam einfiel und ihm schwer und lästig am Arm hing mitsamt ihrer Mission. Ein unangenehmes Gefühl stieg in ihm auf. Er mochte sich seiner Frau nicht unwcrtig machen vor diesem Mädchen, und wieder wollte er zeigen, das; die Frau und dieses Mädchen keine Macht über ihn hatten, wenn er auf seinem Wege frei sein wollte.
„Nun gerade," sagte er so laut, daß es schien, er müsse hinter dem Lauten seine Unsicherheit verstecken und suchte seinen Arni aus Rikas Hand frei zu bekommen.
„WilmI" nannte Nika ihn noch einmal, ohne ihn zu lassen, Da fiel ihm ihre Stimme auf, ihr naher, heißer Atem an sciner Backe, und als er sie ansah, erkannte er ihr wildes, junges Gesicht, ivie er es auch zwei Jahre früher mit einem einzigen Blick erkannt hatte. Er schlang mit einem unsachten Griff, der nach nichts mehr fragte, den Arm um sie, und sie duckte sich ganz an seine Gestalt, verbarg ihr Gesicht an ihn, und lachte so dicht bei ihm, daß er die Wärine ihres Atems durch seinen Rock auf der Brust fühlte, und daß das glückliche Lachen ihn ganz durchdrang, bis ins Innere, wo sein eigenes wohnte und sich aufreizen ließ. So lachten sie zusammen, sie lachten über Martha Driewer und ihren freundlichen, unbefangenen Sinn, sie lachte,? über sich selbst, daß sie sich sozusagen nicht hatten finden wollen, über alles, was sie trennte, lachten sie, über die Welt und ihr Gaukelspiel, er nannte sie die Geiß, die den Kohlkopf bewachen sollte, indessen sie ihn auffraß, und wie sie lachten, lachten sie endlich wie frohe Kinder über nichts.