Litauische Volkslieder
Aufgezeichnet und ins Deutsche übertragen von Hans Foerster-Pellnoat
Rauten*) säte ich und Nelken, Säte sie mit Fleiß; Säte meine jungen Tage Ohne Lust und ohne Klage Zu den Lilien weiß.
Die Rauten gieße ich, die Lilien, Tränk' auch die Salbein; Gieße mir die jungen Tage Mit den Tränen mein.
Rauten pflücke ich und Lilien Und auch rote Nelken; Wer pflückt meine jungen Tage? Ohne Lust und ohne Klage Einsam sie verwelken.
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Ach, heiße, heiße Tagel
Wie scheint die Sonne glühend! —
Mir machen Schmerzen Plage.
Und Mutter hat viel Sorgen, Viel Sorgen hat Weißköpfchen: Wo bleibt meine Tochter morgen? Fährt sie mit buntem Wagen Zum Liebsten? Ob die Burschen Zum hohen Berg**) sie tragen?
Ach. Mütterchen, nicht denket An Hochzeit jetzt und Freuden! — Mich in die Grub' man senket. Wenn Brüderchen die Pferde Im nächsten Frühling hütet, Lieg' ich schon in der Erde;
*) Die Raute kehrt in fast allen litauischen Volksliedern (äainos) wieder; sie entspricht, ihrer symbolischen Bedeutung nach, unserer Myrrhe.
„Der hohe Berg" bezeichnet in Litauen immer den Friedhof. Stets ist für diesen dort eine der geringen Bodenerhebungen als Platz gewählt. Wie völlig die Vorstellungen von Berg und Friedhof ineinander verwachsen find, zeigt köstlich die Äußerung einer alten Litauerin: als ich ihr von Gebirgen erzählte, meinte sie kopfschüttelnd: „Aber das muß doch schrecklich schwer sein, jedesmal mit dem Sarg da hinauf zu klettern." (Vgl. auch Lied 4,>
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