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Reichsspiegel :
(vom 15. bis zum 30. Mai)
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

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wägungen strategischer Art, die mit dem Aufmarsch zusammenhängen, fürchtet, das polnische Gebiet in Abhängigkeit von Preußen zu bringen und so einer Verbindung der russischen mit den preußischen Polen Vorschub zu leisten. Auf der kurzen deutsch - dänischen Landgrenze gibt es nicht weniger als drei Eisenbahnübergänge, die die deutsche Nordmark direkt mit der dänischen Magistrale EsbjergOdenseeKopenhagen verbinden und natürlich auch den Handelsweg nach Norden besonders günstig gestalten. Würde es möglich sein, die Handelswege nach Süden günstiger zu gestalten, was die preußische Eisenbahnverwaltung ja durch die jüngsten Eisenbahnvorlagen schon ins Auge gefaßt hat, so brauchten wir uns um die Nordmark weniger zu sorgen, als heut im Hinblick auf die Möglichkeit eines europäischen Krieges. Der schlimmste Feind der deutschen Zukunft befindet sich nicht unter unsern wirtschaftlichen und politischen Gegern, er liegt unbemerkt gerade in dem, worauf wir mit Recht stolz sein können, in unsrer wirtschaftlichen Entwicklung, die uns innerlich um­bildet. Ein Studium der Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Nationali­tät tut uns bittrer Not als Ausnahmegesetze gegen die fremden Nationalitäten.

G. Lleinow

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Literatur

Zum 7. Juni 1914. An Geburtstagen, die wir in lindlichem Frohsinn feiern, eilt unser Blick voraus in ein Unbekanntes, das uns schmeichelnd lockt; in reifen Jahren ist es ein rückschauendes Wägen und Messen sest- umrissenen Geschehens, das wir üben, es sei denn, daß uns der Schritt des Alltags den festlichen Flitter zertrat und das Datum unseres Eintritts in das Leben uns nichts mehr bedeutet als eine praktische Handhabe zur Verankerung des individuellen Daseins mit einem Kalendarium der Geschichte. Wer in den Schriften der Charlotte Niese blättert, wird schwerlich zu dem Schlüsse kommen, daß diese Dichterin zu den nüchternen Verstandes­menschen gehört, die verlernt haben, einen Tag zu umkränzen, und so wollen auch wir, denen sie zu schenken verstand und dadurch

nahe und vertraut wurde, an ihrem sechzigsten Geburtstage einen Strauß der Erinnerung Pflücken.

Wenn Charlotte Rieses Auge zurückschweift in ihrer Kindheit Land, sieht sie sich im elter­lichen Pfarrhaus von einer Schar munterer Buben umringt, sieben Brüdern, denen sie die einzige Schwester war. Weit draußen in der Stille eines Landstädtchens, auf der Insel Fehmarn, hat sie mit ihnen gespielt, aber auch mit empfänglicher Seele den Glocken gelauscht, die ihrem Leben klangen und sie zur liebevollen Versenkung in Dinge und Menschen riefen. Unter den Stürmen der Nordsee, die über Fehmarn hinbrausten, ist mancher Baum zu knorrigem Eigenwuchs ge­langt und manches Menschen Seele ist schartig und kantig geworden, Charlotte Rieses Seele aber gedieh zu Gleichmaß und Frohsinn. In einem langen, wechselvolle» Dasein, das sie