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„Freideutsche Iugendkultuv"
Linige Kapitel aus der jüngsten Jugendbewegung von Schulrat Eberhard
in dem Felde der „Jugendpflege" grünt und blüht, wächst und wuchert es seit dem bekannten Erlaß des preußischen Ministers vom Januar 1911 derart, daß tieferblickende Volksfreunde gelegentlich bereits nach dem Schutz der Familie gegen diese die Urzelle alles Gemeinschaftslebens bedrohenden Fürsorgebestrebnngen der Älteren um die Jüngeren zu rufen anfangen. Aber es gibt nichts Neues unter der Sonne; längst ehe die Tagespresse von der Jugendpflege etwas wußte oder würdigte, hatte die Kirche in ihren Jugendvereinigungen sich der Pflege des religiösen Lebens, dann aber auch der leiblichen und sittlichen Wohlfahrt ihrer Jugend angenommen; und wenn der Erlaß der preußischen Staatsregierung vom 18. Januar 1911 als „Aufgabe der Jugendpflege die Mitarbeit an der Heranbildung einer frohen, körperlich leistungsfähigen, sittlich tüchtigen, von Gemeinsinn und Gottesfurcht, Heimat- und Vaterlandsliebe erfüllten Jugend" bezeichnet, so hatte das die deutsche Turnerschaft in ihren Turnvereinen unter dem Wahlspruch „Frisch, fromm, fröhlich, frei" immer erstrebt, seit vor fast genau hundert Jahren Fr. L. Iahn auf der Hasenheide bei Berlin die Jugend zu turnerischen Übungen gesammelt hatte.
Und dennoch ist auf diesem reich bestellten Boden im vergangenen Jahre eine Pflanze emporgeschossen, von der uns einer, der es wissen muß, versichert: „Sie ist wirklich etwas Neues, etwas, was man bisher nicht gekannt hat")". Diese Pflanze entwickelt sich unter verschiedenartigen Lebensbedingungen, teils öffentlich an der Sonne des Tages erblühend, teils unter dem Schutze der Diskretion und des „Postlagernd" wuchernd; und ihre Entwicklung ist biologisch und psychologisch so eigenartig und überraschend, daß man sich bereits im bayerischen Landtage wie seitens der österreichischen Behörde zu einer entschlossenen Stellungnahme veranlaßt gesehen hat. Nehmen wir diese Pflanze einmal unter die Lupe, nicht erschöpfend, aber doch in charakteristischen Teilmomenten. Sie nennt sich, in das System der Jugendbewegung eingereiht. „Jugendkultur".
*) Dr. G. Wyneken: Was ist „Jugendkultur"? (Schriften der Münchner Freien Studentenschaft t.) München 1914, Steinicke.