Maßgebliches und Unmaßgebliches
Heeresfrcigen
Der Hecrcshllushalt im Reichstag. Die
letzten vierzehn Tage des innerpolitischen Interesses gehörten dem Preußischen Militär- etcit. Die gespannte Aufmerksamkeit, die die Verhandlungen im Reichstage über den Heereshaushalt stets weit über die Grenzen Deutschlands erregen, war diesmal fast noch intensiver auf die Vorgänge im Wallot- bau gerichtet als sonst. Und daS, obwohl keinerlei neue Hecresforderungen in Aussicht standen. Nach besonderen Gründen für diese Erscheinung brauchen wir nicht zu suchen; sie liegen auf der Hand: die Schöpfung des Deutschen Reiches ist durch die unvergleichlichen Leistungen der preußisch-deutschen Armee erst möglich geworden; die Armee hat sick nun fast ein halbes Jahrhundert hindurch als der zuverlässigste Friedenshort erwiesen, und jeder Staatsmann und Politiker in der alten und neuen Welt weiß, daß es vom Zustande dieser Armee in allererster Linie abhängt, ob die Friedensgarantien auch für die nächste Zukunft sichergestellt sind. Solange die deutsche Armee unumstritten die schlagfertigste in Europa bleibt, solange keine andere Armee von gleicher Größe kriegerische Eigenschaften, das sind Kulturkristalle der männlichen Welt, in der Reinheit und Zuverlässigkeit zu entwickeln vermag, wie die deutsche, solange wird das politische Gleichgewicht in Europa durch die Verschiebung von Mächtekonstellaiioneu nicht gar so tief
berührt, wie es von den Anbetern der großen Zahl gern hingestellt wird. Erst wenn es einem Volke gelingen sollte, ein dem deutschen Heere gleiches zu schaffen und wenn in diesem Volke die Neigung zum Willen werden sollte, die Gleichheit der Qualitäten im blutigen Ringen festzustellen, dann hörte die in der heutigen deutschen Armee liegende Friedensgewähr auf. Wir wissen, daß es gegenwärtig ein Volk gibt, das den Wettstreit aufgenommen hat: die russische Armee soll die deutsche nicht nur entsprechend dem Verhältnis der Bevölkerungsziffer an Zahl überragen, sondern ihr auch ebenbürtig in allen militärischen Eigenschaften werden. Sollen wir es dem Zufall überlassen, die Frage zu beantworten, ob dieser einstweilen friedliche Wettstreit, der unser Volk und die Armee nur ehrt, in blutigen Ernst ausartet?
Man muß sich dieses Hintergrundes nur bewußt bleiben, um das allgemeine Interesse an den Fragen der deutschen Armee zu begreifen, um den allgemeinen Wunsch im deutschen Volk zu verstehen, daß es nie eine Armee geben möge, die der unserigen gewachsen wäre. Und weiter: man braucht diesen Zusammenhang nur der großen Masse der Arbeiterbevölkerung und der friedfertigen bürgerlichen Gesellschaft klarzumachen und ständig vor Augen zu halten, um Volk und Heer vor dem zersetzenden Einfluß der antimilitärischen Propaganda zu bewahren.
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