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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Geschichte

Altgermlmischc Meereshcrrschaft. Erst seit wenigen Jahrzehnten hat das deutsche Voll politische Seegeltung erobert. Etwa drei Jahrhunderte, von 1260 bis 1SS0, ver­trat der Hansebund die Stelle einer deutschen Seemacht, aber dann wurde unser Vaterland von neuem wehrlos zur See, selbst die rühm­lichen Versuche des Großen Kurfürsten von Brandenburg änderten wenig daran. Unter­dessen waren andere germanische Staaten mächtig zur See: Norwegen, Dänemark, Schweden, England entwickelten sich schon im Mittelalter zeitweilig zu ansehnlicher Stärke; später war Holland ein Jahrhundert lang die erste Seemacht der Welt, bis England sich zum zweitenmal auf das wogende Ele­ment warf und die Herrschaft darauf behielt.

Wasserscheu kann man unseren Vorfahren nicht vorwerfen, im Gegenteil, die teutonische Rasse, zu der auch sie gehörten, ist an Nei­gung sür die Seeschiffahrt, an kühnem Wage­mut, an nautischer Kunst die erste der Welt. Das wird nur leicht vergessen, weil man die langen Jahrhunderte hindurch Deutschland zur See ohnmächtig sieht, während ini Mittel­meer und in Westeuropa, sogar in Skan­dinavien andere Völker ihre Kriegsflotten ent­wickeln.

Die Gesamtheit der hierbei in Frage kommenden Gesichtspunkte hat Dr. Conrad Müller in einem sehr hübschen und lesens­werten Werke zusammengestellt: Altgcrnm-

msche Meereshcrrschaft (Gotha, Friedrich Andreas Perthes; 10 M., geb. 11,50 M.). Der Verfasser, Germanist vom Fach, ist in den germanischen Quellen auf diesem Gebiet von Grund aus zu Hause, so daß es ihm ge­lingt, ein wahrhaft spannendes Gesamt­gemälde zu entrollen, das selbst denen inter­essant sein wird, die die frühmittelalterliche Geschichte Dentschlands selber beherrschen. Der Schwerpunkt liegt durchaus auf dem Altgermanischen", denn mit der Besiedlung der deutschen Ostseeküsten durch die Deutschen nimmt die Darstellung ein Ende.

Naturgemäß spielt in der nordischen Dichtung das Seewesen eine große Rolle, der Oberdeutsche dagegen stand ihm recht fern. In den Träumereien über die Entstehung der Welt lenkt vieles auf das Meer zurück, das dunkle, geheimnisvolle, rätselhafte, das ein­ladende, verlockende und doch so falsche, übergewaltige. Riesen bewohnen, beherrschen es, in den Stürmen, den Wolken, dem Regen verkörpern sich Dämonen, die von den -guten Göttern bekämpft und nicht immer über­wunden werden. Der See nimmt oft die Seelen und Leichname der Helden auf; man ladet sie auf Schiffe und übergibt diese der See, dem Feuer und dem Sturm. Von einem ganzen vielgestaltigen Völkchen von Elfen, Nixen und Kleingeistern glaubten die Menschen umgeben zu sein.