Beitrag 
Die Hexe von Mayen : Roman :
(Schluß)
Seite
225
Einzelbild herunterladen
 

Die Hexe von Mayen

Roman von Lharlottc Niese

(Schluß)

Herzog Hans Adolf sagte nicht viel, als er den Jammer sah, und auch Josias konnte nur den Kopf schütteln und ein übers andere Mal seine derbsten Flüche ausstoßen. Aber dann gingen die Herren zu den Flüchtigen, suchten sie zu beruhigen und sie zu bewegen, ihre Heimat wieder zu suchen. Bonn war schon im Herbst von den Brandenburgern erobert und die Franzosen zogen sich aus der Gegend fort, um an die holländische Grenze zu gehen.

Marschall Luxemburg, der dort den Befehl hatte, sollte geäußert haben, er wäre kriegsmüde, wie die anderen.

Ihm, seinem alten Gegner, hoffte Hans Adolf noch auf flandrischem Gebiet zu begegnen und ein Wörtlein mit ihni zu reden. Jetzt aber war es für die Rheinischen an der Zeit, zum Frühjahr das eigene Land zu bestellen, und zu versuchen, Früchte davon zu ernten.

In Andernach trafen die Herren mit kurtrierschen Beamten zusammen, die auch versuchten, die jammernde Bevölkerung zu ermutigen und ihnen Hilfe zu schaffen. Das war schwer genug, aber einige Männer hörten doch auf Zuspruch und Ratschläge, und wie sie merkten, daß man Teilnahme für sie empfand, kam über einige neuer Mut.

Dazu trugen die vornehmen Frauen bei, die das Elend zu lindern suchten, wo sie es nur fanden. In der Herberge zu Andernach waren die fürstlichen Wagen untergestellt, und sowohl die Herzogin wie Heilwig gingen jeden Morgen aus, um Hilflose zu pflegen und zu versuchen, ihnen Unterkommen zu verschaffen.

Manches Kind ward in diesem Elend geboren, mancher müde Wanderer schloß seine Augen zur ewigen Ruhe, die vielleicht für ihn die erste war, die milde Herzogin gab Ratschläge, wo sie nur konnte, und legte Hand an, wo es nötig tat. Und Frau Heilwig wanderte auf ihren Spuren. Weshalb war sie traurig gewesen, mißmutig und müde? Durfte sie klagen, wenn sie sah, daß sie nur zu danken hatte, für unverdiente Gnade?

Eine ganze Woche waren die Reisenden in Andernach, dann kam eine Botschaft von den Generalstaaten, daß man auf den Herzog warte. Es sollte eine Schlacht gegen die Franzosen geschlagen werden, und der Herzog durfte nicht fehlen.

Grenzboton II 1!>14 16