Die Hexe von Mayen
Roman von Lharlotte Niese
(Sechzehnte Fortsetzung)
„Wahrlich, Sehestedt, es ist gekommen, wie ich oft sagte, die Franzosen sind wieder ins Rheinland gekommen, haben die alten schönen Burgen verbrannt, haben das Kloster Laach berannt und beraubt. In Mayen sind sie auch gewesen und der Turm, darinnen Eure Frau Eheliebste einmal verwahrt war, ist mit Pulver auseinandergesprengt worden. Majestät der König Ludwig haben sich einmal wieder gelangweilt!"
Er schlug mit der Hand auf den Tisch.
„Erinnert Ihr Euch noch des guten Abtes von Laach, des Herrn Plazidus? Mit all seinen Mönchen hat er fliehen müssen und in der Höhle vom Hochstein fand er Obdach und Versteck. Aber sein Kloster und alles, was er geschafft ist ihm elend vom Feind zerstört worden!"
Josias war sehr aufmerksam geworden.
„Woher erfuhr Euer Gnaden alle diese schlimmen Dinge?"
„Ich hatte hier einen Prinzen zu Besuch, einen vom Rhein, Löwenstein, hieß er, und war mit den Seinen aus der Eifel geflohen, wo seine Burg lag. Nun sind Gemahl und Kinder in Mecklenburg, und er wollte nach Wien zum Kaiser. Nun, dieser wird wieder nicht helfen. Er hat mir soviel berichtet, daß ich wohl einmal wieder mit den Braunschweigern möchte ins Feld ziehen. Aber die Welsen haben keine Lust mehr, sie bleiben daheim und denken an ihr Land! Wer kann es ihnen verdenken. Doch die Generalstaaten rüsten, und dorthin werde ich wohl einmal gehen! Übrigens —" er unterbrach sich. „Wißt Ihr, daß ich Euren Brenner im Kaschott habe? Denselben, der auf Schierensee angezündet hat, und dann noch auf Wittmoldt und anderen Edel- höfen? Bei Euch ist er ausgerissen, aber hier liegt er uuten im Schloß, und in den nächsten Tagen soll er hängen."
Josias fuhr in die Höhe.
„Es war der Stadtschreiber von Mayen, so wenigstens sagte die Frau Sehestedt. Darum wollte sie ihn nicht hängen lassen, wie es ihm gebührte, uud so hat er noch viel Elend angestiftet."