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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Philosophie

Es ist das Verdienst Rudolf Enckcns, des bekannten Jenaer Philosophen, daß er das Leben so stark betont, daß es für ihn keine wahre Philosophie gibt, die nicht Lebens­philosophie ist: vom Leben her müssen wir Vordringen zu den tiefsten Gründen unseres Seins, vom Leben her müssen die geistigen Kulturkreise gestaltet werden. Auf diesen Ton sind seine zahlreichen philosophischen Schriften gestimmt, diese Forderung erhebt er auch wieder mit allem Nachdruck in seiner Schrift: Erkennen und Leben (Quelle und Meyer, Leipzig, geh. 3 M>, geb. 3,80 M.), die nur ein erster Entwurf einer Erkenntnislehre ist, die aber eine völlige Neugestaltung der Er­kenntnislehre durch Euckens zu erwartendes größeres Werk über diesen Gegenstand erhoffen läßt.

Eucken zeigt, daß es ein Erkennen durch reines Denken, das vom Leben losgelöst ist, nicht gibt und nicht geben kann. Die Wissen­schaft hat ihre Grenze: bei ihrentfällt alle Möglichkeit einer Fassung in ein Gesamtbild, einer Aufdeckung eines Sinns des Ganzen und eines Verstehens des einzelnen von daher".

Was die Wissenschaft nicht zu geben ver­mochte, versuchte man Wohl auf den: Wege der Spekulation zu erreichen. Aber die Spekulation sieht sich letzten Endes vor ein Dilemma gestellt: erkennt sie in rea­listischer Denkweise eine draußen befindliche Welt an, so gibt es keine sicheren Wege, um

dorthin, d. h. in die Außenwelt, zu gelangen, versucht sie in idealistischer Weise alles Sein aus sich herauszuspinnen, so verliert das Denken die Kraft.

Indessen kann auch die Wendung zum Leben, wie sie die Neuzeit energisch vollzogen hat, nicht ohne weiteres zur vollen Erkenntnis führen, denn alles kommt darauf an, was unter Leben verstanden wird.

Der Pragmatismus geht vom Leben aus und vertritt einen charakteristischen Wahrheits­begriff. Wahr ist, was zur Erhöhung des Lebens wirkt, was der Entwicklung und dem Gelingen des Lebens dient. DaS führt uns entschieden einen Schritt weiter. Nirgends scheint hier das Erkenntnisstreben ins Leere zu fallen, überall ist es auf das Ganze un­seres Lebens bezogen und unseren Empfin­dungen und Anschauungen nahegerückt. Die Wahrheit soll hier in unserem Leben nicht jenseits unseres Lebens gefunden werden. Aber trotzdem kann der Pragmatismus keine vollbefriedigende Lösung des Wahrheitspro­blems bringen, dennLeben" bedeutet ihm nicht mehr als das geschichtlich - gesellschaftliche Zusammensein der Individuen. Dadurch er­liegt das Wahrheitsstreben der Zersplitterung menschlicher Meinungen. Was ist denn, so muß man fragen, wirklich lebenfördernd? Es fehlt im Pragmatismus das allgemein­gültige Kriterium für eine einheitliche Beant­wortung der Frage.

Es bleibt noch der Weg, den der Biolo- gismuS empfiehlt, um zur Wahrheit zu kommen. Der BiologiSmus Prüft den Fluß des Lebens,