Die Insel Sansibar und ihre wirtschaftliche Bedeutung
von Prof. Dr. Friedrich Tobler
Der im Jahre 1390 zwischen Deutschland und England geschlossene' vielgeschmähte Sansibarvertrag ruft immer noch Erörterungen hervor, ob der Insel heute überhaupt noch eine Bedeutung für die deutschen Interessen zukomme. Der folgende Aussatz versucht, an solche Erörterungen anschließend, die Bedeutung der Insel, unter besonderer Berücksichtigung der Interessen Deutsch-Ostafrikas, zu skizzieren.
ie Insel Sansibar hat eine Länge von 86, eine Breite von etwa 37 Kilometern, einen Gesamtflächeninhalt von rund 1500 Quadratkilometern; das entspricht etwa der Größe des Herzogtums Sachsen- Altenburg. Sie ist durch und durch eine echte Koralleninsel, d. h. aller Boden besteht aus Kalk, wenn auch zum Teil von hohem Alter. Früher hat sie zweifellos aus mehreren Inseln bestanden; darauf deuten noch verschiedentlich Senkungen, meist im Verlaufe der Längsachse der Insel, hin, die, wie namentlich ein Tal im Südosten der Insel, das die Südostspitze abgrenzt, auch sogar noch sumpfig sind. Die Westküste unterscheidet sich durchaus vou der Ostküste dadurch, daß an ihr die Korallenriffbildung vor der eigentlichen Uferlinie verhältnismäßig wenig auffällig zutage tritt, während an der Ostküste auf oft mehrere Kilometer vor dem eigentlichen Uferstreifen ein stark brandendes Korallenriff vorgelagert erscheint. Unter anderem ist es auch die Westküste, die einzig Schiffen eine Annäherung zuläßt, und an ihr ist denn auch der einzige gute große Hafen, der der Stadt Sansibar selbst, gelegen. Auch das eigentliche Kulturgebiet der Insel liegt zum größten Teil auf der Westseite. Die Ostseite ist zum Teil sogar unbewohnt. Der Baumwuchs, die Kulturgebiete der großen Pflanzungen liegen in der westlichen Längshälfte. Ebenso findet sich hier auch die größere Zahl der Flußläufe, die übrigens meist zunächst in der Längsrichtung selbst verlaufen. Sie entspringen auf den Höhenzügen, die (bis über 100 Meter Höhe) in der Längsachse und nahe der Mitte, etwas nach Westen verschoben, auftreten, und münden durchweg auf der Westseite. Zum Teil aufgefangen, dienen sie auch zur Anlage der vorzüglichen Wasserleitung, die einen großen Teil des Kulturgebietes durchzieht.