Bismarck und prokesch - Osten
«Line Ehrenrettung Von Ludwig Schemann
3. Bismarck contra Prokesch
Aus einer Charakteristik Prokeschs, wie etwa der des Verfassers an der vorerwähnten Stelle, dürfte wohl ein jeder Leser das Bild einer ungewöhnlich edlen und lauteren Gestalt sich gewinnen. Gleich nach dein Hinscheiden des Mannes war ferner dessen Lebenslauf in dem eingehendsten und getreuesten der Nachrufe als einer der ungetrübt glücklichsten bezeichnet worden, was, da es ihm an den schwersten Schicksalsschlägen nicht gefehlt hat, nur auf den reichen Segen, den er getragen, sich beziehen kann.
Wie ist es nun denkbar, daß diese selbe Gestalt, dieser selbe Lebenslauf von einer einzigen, freilich allerhervorragendsten Seite als das gerade Gegenteil, als der Inbegriff des Abstoßenden und Verwerflichen hat hingestellt werden können?
Hier liegt ein Rätsel vor, das nur durch eingehende Prüfung des Tat- sachenmateriales und gewissenhafte Versenkung in den Charakter der beiden Hauptpersonen dieses historischen Dramas sich ganz wird lösen lassen. Bisher sind hierzu kaum leise Ansätze gemacht worden: begreiflich genug, das Unerquickliche der Aufgabe mochte niemanden locken, und auch der Verfasser der vorliegenden Untersuchung sieht sich genötigt, für dieselbe nach verschiedenen Seiten sich Nachsicht zu erbitten. Auch mag es gut sein, in diesem Sinne eine kurze Allgemeinvemerkung vorauszuschicken.
Vor allem wäre wohl zu begründen, daß und warum bei den zahllosen Anklagen und Ausfällen Bismarcks gegen Prokesch nur in bescheidenem Umfange ins einzelne gegangen, warum Belegstellen nur in wenigen Fällen gegeben werden.
Es geschieht dies, wiewohl grundsätzlich nichts von dem allen unberücksichtigt geblieben ist, und zwar reichlich so sehr mit Rücksicht auf Bismarck selber als auf Prokesch, weil mit der Beschränkung auf einige wenige notwendige Beispiele dasselbe erreicht werden zu können schien als mit dem Her-