Die Hexe von Mayen
Roman von Charlotte Niese (Zwölfte Fortsetzung)
Heilung war nicht niehr in Mayen. Die Frau von Bremer hatte ihr ihr Haus angeboten und der Staatsrat nahm dies Anerbieten ohne weiteres an.
„Ich dank Euch edle Frau! Meine Tochter wird froh sein, einmal von uns Männern loszukommen und Ihr werdet ihr zu schaffen geben, daß sie ihre Zeit gut anwendet!"
Er war streng und unnahbar geworden. Er war zwar nicht dabei gewesen, wie die Männer den Juuker aus den: Verließ holten, aber er wußte, daß seine Tochter diesen Papisten umhalst und an seiner Brust geweint hatte. Dem Junker Rantzau, der es sah, liefen beinahe die Tränen aus den Augen, als er es dem gestrengen Vater berichtete.
„Meiner Treu, Herr, ich hab es rührend gefunden, und ich meine, daß die zwei zusammenkommen müßten. Der Wiltöerg ist ja von gutem Adel und unser Herzog wird ihm schon in ein Amt helfen. Abschwören muß er natürlich, und das ist nur gut für ihn; wie froh wird er sein, den rechten Glauben zu erfassen!"
Fragend sah er den Staatsrat an, der ihm deu Rücken kehrte, und auch Josias Sehestedt, der neben seinem Oheim stand, gab ihm keine Antwort und erklärte sogar, Kopfschmerz zu haben, was eine verwunderliche Krankheit für einen holsteinischen Junker war. Aber der Rantzau dachte nicht weiter darüber uach — es gab viel zu tun in der Stadt, sowohl mit den gesunden Soldaten, wie mit den Verwundeten. Von den letzteren starben einige und andere waren bei dem Kampf gefallen. Da gab es großen Streit wegen der Beerdigung der Ketzer, die, wie die Ratsherren von Mayen erklärten, ungern auf ihrem Kirchhof ruhen sollten. Dagegen hatten sie nichts gegen die toten Franzosen einzuwenden, von denen sie viel mehr Unbill hatten erdulden müssen, als von den Deutschen.
Da machten die Offiziere kurzen Prozeß: alle Toten mußten ein ehrliches Begräbnis in der Mitte des Kirchhofes, auf dem besten Platz, haben. Ein Feldprediger kam aus Andernach und redete deutsch und ergreifend, während die
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