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(Lhina auf dem Wege zur Monarchie?
von Franz Ullhn
nter den Problemen, die das heutige China bewegen, verdient zurzeit die Verfassungsfrage wieder erhöhte Beachtung. Hängt doch von ihrer endgültigen Lösung, die Einkehr geordneter und stabiler Zustände im Innern ab, die dem am chinesischen Markt interessierten auswärtigen, insbesondere auch deutschen Handel dringend erwünscht sein müssen. Nun scheint es ja, als ob jene Frage mit der vor zwei Jahren erfolgten Gründung der Republik bereits eine glänzende Lösung gefunden habe. Aber die Ereignisse der letzten Zeit beweisen doch, daß man sich in dieser Hinsicht keiner Täuschung hingeben darf, daß die Dinge vielmehr noch recht im Flusse sind, und die Zukunft noch manche Überraschung bringen dürfte. Freilich, einzelne Kenner des Landes haben die Errichtung der Republik von Anfang an mit Skepsis betrachtet und letzten Endes einen Bluff amerikanischer Geschäftspolitik dahinter vermutet, der wie alle Bluffs auf die Dauer nicht bestehen kann und schließlich an dem gesunden Empfinden des chinesischen Volks gleich einer Seifenblase in nichts zergehen muß. Diese wenigen Kenner haben allerdings nicht erwartet, daß die vorhergesehene Reaktion so prompt und mächtig einsetzen würde, wie es jetzt tatsächlich geschieht. Die Sprengung der republikanischen Kwo Ming Tang-Partei, Auflösung des Parlaments und der Provinziallandtage, Kaltstellung der wichtigsten republikanischen Führer, Rückkehr hervorragender Monarchisten ans Ruder, ferner vor allem die feierliche Bestätigung des gewohnten Konfuziuskultes und Wiedereinführung althergebrachter Staatsopfer — all diese Geschehnisse, welche die letzte Zeit in rascher Aufeinanderfolge brachte, bedeuten einschneidende Veränderungen des Verfassungssystems und vernichtende Schläge gegen den republikanischen Gedanken. Kein Zweifel, so wie die Dinge jetzt liegen, ist China nur noch dem Namen nach Republik, in Wahrheit wird es von einem Diktator, Juan Schi Kai, regiert, in dessen Person sich heute Staatskredit und Staatsautorität ausschließlich konzentrieren, und dessen Machtvollkommenheit tatsächlich einer kaiserlichen gleichkommt. Es fehlt nur noch die äußere Bestätigung des vorhandenen Zustandes durch eine entsprechende Form.
Diese Entwicklung zeigt, wie sehr man sich hüten muß, den Einfluß der sogenannten westlichen Kultur auf China zu überschätzen. Man begegnet in dieser Hinsicht häufig den überschwänglichsten Vorstellungen, als ob infolge