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Die Hexe von Mayen :
(elfte Fortsetzung)
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Die Hexe von Mayen

Roman Von Lharlotte Niese

(Elfte Fortsetzung)

Also wurden sie weitergeführt und die Soldaten plünderten. Das war nicht anders bei eroberten Städten, aber es durfte nicht sein, und die Junker konnten nicht bei Heilwig bleiben, um ihr die Kirche, die Genovevaburg, den festen Turm und manches andere zu zeigen. Sie liefen durch die engen Gassen, um darauf zu achten, daß die Leute nicht zu arg wirtschafteten. Über manchen kleinen Raub sahen sie hinweg. Man mußte die Männer in guter Stimmung erhalten. Heilwig stand verlassen in all der Unruhe und wußte nicht recht, wohin. Es war verkehrt gewesen, ohne die Gesellschaft ihres Vaters zu reiten, und die Frau von Bremer mit ihren Leuten war verschwunden. Bald kam sie wieder um die Ecke. An jeder Hand hielt sie ein Kind und sprach gütig mit ihnen, während sie sich unablässig umsah.

Wäret Ihr schon am Turm. Jungfrau?" fragte sie, und als Heilwig erklärte, den Weg nicht finden zu können, meinte sie, daß sie auch dorthin ginge.

Mein Junker soll dort irgendwo verwundet liegen!" sagte sie.Ich habe ihn überall gesucht und höre es eben. Wollt Ihr nicht mitkommen? Es muß doch ganz angenehm sein, Euer einstmaliges Gefängnis von draußen ansehen zu können!"

Heilwig ging schweigend mit ihr. Wäre nicht die Angst um ihren Be­freier gewesen, sie würde die Stadt schon verlassen haben. Aber sie mußte Gewißheit haben, wohin er sich gewendet hatte, wenn er frei geworden war. Der Turm war schnell erreicht. Vor ihm lag Jupp mit einem großen Loch im Kopf, während Kätha neben ihm kniete und vergeblich versuchte, einen Strick zu lösen, der um ihre Arme geschlungen war. Sie stieß einen Schrei aus, als Heilwig sie eilig losband, und bekreuzte sich.

Die Hexe, die Hexe!" wimmerte sie, aber Frau von Bremer fuhr sie an.

Sei nicht töricht, sondern dankbar, daß sich das edle Fräulein deiner entsinnt! Nun sag mir, wo ist mein Sohn?"

Kätha rieb sich die schmerzenden Arme und glättete ihr zerzaustes Haar.