Die Rumänensrage in Ungarn
von Paul Samcissa
ie Probleme der inneren Politik eines Staates fangen an gefährlich zu werden, wenn sie gleichzeitig folche der äußeren Politik werden und umgekehrt. Die ethnische Zusammensetzung der Habsburgermonarchie als Völkerstaat bringt es mit sich, daß ihr mehr als ein solches Problem zn schaffen macht. Im polnisch ruthenischen Ausgleich in Galizien ist eines davon nicht ungünstig gelöst worden, wenn man sich freilich auch darüber nicht täuschen darf, daß es sich nicht um einen endgültigen Frieden handelt; aber die Ruthenen sehen doch einen Erfolg, sind wieder fest an die Monarchie gekettet, die russophile Propaganda bietet ihnen keine Verlockung. Der Gegensatz zu Rußland hat sich freilich dadurch verschärft, was in den Kauf genommen werden mußte.
In Ungarn war die Lösung einer nicht minder brennenden Frage versucht worden. Der ungarische Ministerpräsident, Graf Tisza, hat monatelang mit "eu Führern der ungarländischen Rumänen verhandelt, ohne zum Ziel gelangt SU sein. Nun hat Graf Tisza in einer groß angelegten Rede im ungarischen Reichstag über diese Verhandlungen Rechenschaft abgelegt und dabei, wie es gar nicht zu vermeiden war, auf die Nationalitätenfrage im allgemeinen vielfach ^Mg genommen.
Es wäre hier vielleicht am Platze, zunächst mit einer ungarischen Nationalitätenstatistik aufzuwarten; sie würde indes den Umfang dieses Aufsatzes unnütz erweitern, ohne dem Leser besondere Erleuchtung zu schaffen. Es würde aus dieser amtlichen Statistik hervorgehen, daß die Magyaren im eigentlichen Ungarn (also ohne Kroatien) seit dem Jahre 1880 aus einer Minderheit von 47 Prozent zu einer absoluten Mehrheit von 54 Prozent angewachsen, während Grsnzboten I 1914 S1