Beitrag 
Die Hexe von Mayen : Roman :
(neunte Fortsetzung)
Seite
463
Einzelbild herunterladen
 

Die ZVeude des deutsche» Naturalismus

463

Die edle Frau sollte mit ihrem Schützling davon gehen, solange es hier so einsam ist!" sagte sie.

Frau von Bremer erwiderte nicht viel. Sie richtete die steif gewordene Gestalt Gritts auf, gab ihr den Eimer mit Fischen in die Hand und ging mit kurzem Dankeswort davon. Einen Augenblick wunderte sich Heilwig, daß ihre Tat nicht einmal ein Lob erhielt, aber dann ging sie wieder in ihre kleine Hütte. Sie wußte kaum, ob sie recht getan hatte; aber sie empfand es an­genehm, daß dort hinten im Troß keine verdurstende Frau lag und allen Menschen fluchte.

(Fortsetzung folgt)

Die Wende des deutschen Naturalismus

von Dr. Fritz Reck - Malleczewen

I. Idee und Stoff em Werdenden gilt unser Streben und aufmerksamer richtet sich der Blick auf das, was kommen will, als auf jenes ewig Gestrige, das sich vermißt, in Konventtonen und Satzungen unendliche Möglichkeiten der Menschheit einmal für immer festzuhalten. Wir neigen uns in Ehrfurcht vor allem Großen, was gewesene Epochen uns überliefert haben, aber nicht aus ihnen gewinnen wir uns Richtschnur und Normen des Daseins; denn nicht, wer den Anschauungen einer versunkenen Welt sich zu eigen gibt nur wer die Forderungen der gegenwärtigen Stunde im Inneren frei empfindet, wird die bewegenden Mächte der Zeit durchdringen als ein moderner Mensch." Das schrieb erst ein knappes Vierteljahrhundert ist es her einer, der sein Leben lang bis zu seinem Tode dem skan­dinavischen, französischen und deutschen Naturalismus der treueste Vorkämpfer war: Otto Brahm, als Geleit der neuen Zeitschrift, die man damalsFreie Bühne für modernes Leben" nannte. Und wieder fühlt man, wie Ideen wechseln, wie aus dem Dunkeln immer neu und scheinbar anders sich das Fühlen der Welt gebärt. . .

Erst vierundzwanzig Jahre sind es her, und im fünfundzwanzigsten fühlen wir, Kinder einer neuen Generation, die das neunzehnte Jahrhundert doch eigentlich nur vom Hörensagen kennt, daß die Ideen, für die damals dieser Feine, Kluge mit ganzem Fühlen und der Arbeit eines konsequenten Lebens in den Kampf zog, nach Verjüngung verlangen, fühlen heute wohl auch mit den naturwissenschaftlich geschärften Sinnen, daß sie damals nicht einmal recht neu waren. Wer Augen hat zu sehen, sieht den vollendeten Naturalismus schon