Die Hexe von Mayen
Roman von Charlotte Niese (Siebente Fortsetzung)
Hans Adolf war sehr gnädig. Er ließ sich von dem Überfall der Franzosen bei Köln berichten, wo Heilwig ihren Vater verloren hatte, von dem sie noch nicht wußte, ob er in Sicherheit war, und versprach, sich ungesäumt danach zu erkundigen. Dann mußte Heilwig von ihrem Erlebnis in der Stadt Manen berichten und der Herzog tat mehrere Fragen, die die Jungfrau nicht recht verstehen konnte. Sie beantwortete sie nach bestem Ermessen. Ja, es gab einen Stadtschreiber, der für den Bürgermeister regierte. Er war nicht gerade liebenswürdig.
„Ihr kanntet ihn?"
Heilwig errötete. „Er kam täglich, Eure Gnaden!" „Was sprach er mit Euch?"
„Er gelobte mir Hilfe, aber, ich glaube —", Heilwig stockte und der Herzog sah sie durchdringend an.
„Ich verstehe schon!" sagte er mit einer Handbewegung. „Der Kujon würde Euch gern in seine Gewalt bekommen haben. Gut, daß Ihr davonliefet. Ihr habt noch Glück gehabt!"
„Ich bin nicht davongelaufen, sondern von einem jungen Manne errettet worden, den ich sast nicht kannte!" erwiderte Heilwig und erzählte nun von Sebastian von Wiltberg und dem Loch in der Mauer. Hans Adolf hatte vor ihr gestanden; jetzt nahm er in seinem großen Stuhl Platz und winkte Heilwig, sich auf ein Tabouret zu setzen. Er war sehr aufmerksam geworden und unterbrach Heilwig mit keinem Wort. Erst, als sie geendet hatte, richtete er seine großen dunklen Augen auf sie.
„Diesem leichtsinnigen Junker wird Eure Flucht recht teuer zu stehen kommen."
„Niemaud wußte es doch —" begann Heilwig, aber der Herzog lächelte.
„Liebe Jungfrau, ich will deni Herrn wünschen, daß der Stadtschreiber ihn in Ruhe läßt. Nach dem, was Ihr erzählt, nämlich, daß Euer Retter bei Euch mit dem Schreiber zusammengetroffen ist, so wird dieser natürlich Verdacht