Zukunftsfragen des Parlamentarismus
Non N?. von Mcrssow
ie Schrift des Grafen Albrecht zu Stolberg-Wernigerode über „Eine Reform des preußischen Wahlrechts", die vor einiger Zeit im Verlag der Grenzboten erschienen ist, hat — soweit ich das feststellen kann — in unserer Tagespresse nur ungenügende Beachtung gefunden. Wer die Gesichtspunkte kennt, nach denen die Frage der Besprechung von Neuerscheinungen in der Regel entschieden wird, und ebenso die Schwierigkeiten, mit denen selbst die größten Zeitungen wegen der Fülle des Stoffes zu kämpfen haben, der wird sich darüber nicht allzusehr wundern. Zwar hat ein demokratisches Blatt mit großer Fixigkeit und offenbar viel Behagen alle die Stellen der Schrift herausgegriffen, in denen der Sohn des hervorragenden konservativen Parlamentariers und einstigen Reichstagspräsidenten an gewissen konservativen Anschauungen Kritik übt, und darauf ist natürlich von konservativer Seite geantwortet worden. Viel ist dabei nicht herausgekommen. Man scheut sich im allgemeinen, in politischen Fragen allgemeiner und grundlegender Natur ein bißchen mehr in die Tiefe zu gehen, und dabei kommen Schriften solchen Inhalts schlecht weg. Das ist aber kein Beweis dafür, daß sie nicht gelesen werden, und so läßt sich hoffen, daß die Ausführungen des Grafen Stolberg trotzdem ein großes Publikum finden werden. Grenzbvten I 1914 16