Reichsspiegel
(Vom 26. Januar bis zum 2. Februar)
Noch ist die schwere innerpolitische Krise in Preußen und Deutschland nicht überwunden und schon werden Sturmzeichen am internationalen Horizont sichtbar. Griechenland und die Türkei können oder wollen sich nicht über die Erledigung der Jnselfrage einigen, und Rußland scheint es darauf anzulegen, alles zu verhindern, was zu einer Genesung und Wiedererstarkung der Türkei führen könnte. Die Politik der Türkei aber ist nicht ganz durchsichtig. Sie erscheint anmaßend nach der einen, nachgiebig auf der anderen Seite; im Innern wird, wie die Verabschiedung von rund zweihundert höheren Offizieren beweist, mit einer Schroffheit vorgegangen, die sich wohl Despoten oder Nevolutionstribunale erlauben können, nicht aber konstitutionell begründete Regierungen. Doch Enver Pascha, der neue Kriegsminister, auf dessen Willen jene Maßregeln zurückzuführen sind, wird seine Landsleute kennen und wissen, was er ihnen zumuten darf. Mit gleicher Rücksichtslosigkeit hat Enver Pascha sich über die Gefühle der deutschen Offiziere hinweggesetzt, die die türkische Regierung im Herbst vorigen Jahres zur Reorganisation des Heeres berufen hatte. Die allmähliche Umwandlung der Stellung des Generals von Liman - Sanders aus einer befehlenden in eine beratende war wohl geeignet, das Selbstgefühl der davon betroffenen Offiziere zu berühren, doppelt, weil sie auf den Druck Rußlands hin erfolgte, und die russische Orientpolitik heute offenkundiger als sonst ihre Spitze gegen Deutschland und Österreich-Ungarn richtet. Dennoch wird man die äußere Zurücksetzung der deutschen Militärmission nicht gar so tragisch nehmen dürfen, wie es hier und da geschehen ist, und allein die Tatsache, daß Liman - Sanders nicht kurzerhand darauf verzichtet hat, unter den