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Die Hexe von Mayen : Roman
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Victor Blüthgen

weißer reibend.Sie schlägt kein Kreuz und betet nicht den Rosenkranz; aber Hexen tun das wohl auch nit?"

Sebastian antwortete nicht. Er griff nach seinem schwarzen Rock, den er der Schonsamkeit wegen im Zimmer nicht trug, zog ihn an, setzte seinen Hut auf und lief so eilig er konnte zu Herrn Michael Kohlbaum. Der war Stadt­pfarrer von Mayen und ein guter älterer Mann, der gern die Elenden und Kranken tröstete, dabei aber auch ein Glas Wein nicht verachtete und ungern hungerte. Sebastian verachtete ihn ein wenig. Erstens deshalb, weil er von einfacher Herkunft war und dann auch, weil er in feinen Augen nicht eifrig genug war und manchmal die Augen schloß, wo er sie hätte weit offen lassen müssen. Und weil Sebastian plötzlich die Angst empfand, hier könnte der ehr­würdige Herr beide Augen schließen, da läutete er schon nach wenigen Minuten an der Tür des Pfarramtes und ließ sich von der Schaffnerin zum Psarrer führen.

(Fortsetzung folgt)

Victor Vlüthgen

Zu seinem siebzigsten Geburtstage am ^. Januar l.9^ von Hanns Martin Elfter in Berlin

an soll Jubiläen nicht dazu benutzen, das Werk des Gefeierten über Gebühr zu preisen und zu erheben. Denn man kann auch durch die herrlichsten Redewendungen nicht den Beherrscher eines kleinen Staates plötzlich zum König einer Großmacht machen. Alles, was Jubiläen vollbringen können und als ihre Aufgabe betrachten müssen, ist, ausgleichende Gerechtigkeit walten lassen, also die Gerechtigkeit, die das in der Vergangenheit vielleicht geschehene Unrecht wieder gut macht, die die Gegenwart in das richtige Verhältnis zum Schaffen des Jubiläumskindes rückt und für die Zukunft ein unvoreingenommenes, klares Tatsachenurteil vorbereitet.

Victor Bluthgen ist im Riesenlande der Kunst geWitz nur der Fürst eines Kleinstaates. Er gehört in die Reihe der Heinrich Seidel, Wilhelm Busch, Johannes Trojan, Julius Lohmeyer, Julius Stinde. Aber wie deren Werk, obwohl aus dem Gedanken, der jeweiligen Gegenwart genug zu tun, entsprungen, auch ihre Zeit überdauert, wie deren Werk für das Volk Wert und Glanz hat und zum Teil noch behält, so auch manches aus dem umfangreichen Schaffen des heute Siebenzig- jährigen, der als Lyriker eine Hervorhebung von Kunst wegen verdient.

Am Beginn seines Schaffens waren Ernst Scherenberg und Ludwig Salomon seine Lehrer und Meister. Sie vertraten das Ideal einer mehr zeitlosen Kunst,