Imperialismus, Sozialismus und anderes
von Dr. zur. Herbert von Dirksen in Bonn
ie Morgenausgabe der Kölnischen Zeitung vom 26. November bringt unter dem Titel „Imperialismus und Sozialismus und anderes" einen Artikel, der meinen in Nr. 47 der Grenzboten erschienenen Aufsatz über „Imperialismus und Sozialismus" einer eingehenden kritischen Würdigung unterzieht. Da der Verfasser des Artikels meinen Gedankengang zutreffend wiedergibt und mit dem wesentlichen Inhalt meines Aufsatzes, der Tatsache eines Zusammenhanges zwischen Imperialismus und Sozialismus und der Art dieses Zusammenhanges einverstanden ist, so wäre an sich ein Anlaß zu einer erneuten Erörterung des Themas nicht gegeben, zumal da einige geringere Mißverständnisse sich leicht und ohne Inanspruchnahme der Öffentlichkeit beseitigen ließen.
Wenn z. B. der Verfasser des Artikels in der Kölnischen Zeitung meine Definition des Imperialismus für unbestimmt hält, so darf ich mit eineni Hinweis auf meinen Aufsatz über die „Grundlagen des Imperialismus" (Heft 19 Jahrg. 1913 der Grenzboten) antworten, der eine umfassende, genaue Äegriffs- bestimmung gibt.
Wenn er ferner den Grund der sozialdemokratischen Gegnerschaft gegen den Imperialismus darin sieht, daß „in der orthodoxen, sozialdemokratischen Theorie für Kolonien überhaupt kein Raum sei" und diesen Gedanken in meiner Abhandlung vernnßt. so kann ich darauf erwidern, daß der Gedanke mir zwar nicht fremd ist. daß ich ihn aber für unrichtig halte. Denn die Sozialdemokratie wehrt sich heftig gegen den Vorwurf der Kolonialfeindlichkeit und Schippel weist in seinem Aufsatz über „Imperialismus und Manchestertum" durch Zitate aus dem Munde Bebels. Engels, Ledebours und anderer nicht des Revisionismus verdächtiger Führer nach, daß eine prinzipielle Stellungnahme gegen Kolonien dem Sozialismus sremd sei und schließt mit den Worten: „Von einer prinzipiell kolonialfeindlichen Parteipraxis kann demnach nur reden, Grenzboten IV 1913 31