414
Lin romantisches Brautpaar
Was nun die Zentralbehörde anbetrifft, so ist es klar, daß der Minister unter allen Umständen die Entscheidung allein in seiner Hand behalten muß. Es kann daher hier grundsätzlich nur das bureaukratische System zur Anwendung gelangen. Die Fehler, die es bei großen Behörden zweifellos überall hat, treten bei der Zentralbehörde überdies lange nicht so scharf hervor, weil es sich bei ihr im Gegensatz zu der Provinzialbehörde in der Hauptsache um allgemeine Anordnungen handelt, welche meist sowieso einer längeren, eingehenden Prüfung unterliegen, so daß die Frage der schnellen und einfachen Geschäftserledigung hierbei ganz von selbst in den Hintergrund tritt.
Nichtsdestoweniger wird es auch hinsichtlich der Zentralbehörde zu erwägen sein, ob der Minister nicht zweckmäßigerweise gewisse Dienstzweige widerruflich Kollegien innerhalb des Ministeriums zur Bearbeitung übertragen möchte, so daß die Mitglieder dieser Kollegien die Geschäfte in ähnlicher Weise erledigen könnten, wie wir es hinsichtlich der Regierungen in Vorschlag gebracht haben. Für eine derartige Behandlung wären unseres Erachtens manche Angelegenheiten, über welche die Zentralbehörde als letzte Instanz im Beschwerdewege zu entscheiden hat, und wo es hauptsächlich auf sachliche Beherrschung der einschlägigen Materie, im übrigen auf Konsequenz ankommt, wohl geeignet.
(Fortsetzung folgt)
Ein romantisches Brautpaar
Von Heinz Amelnng in Berlin-wilmersdorf
ine der sympathischsten Gestalten des romantischen Dichterkreises ist der am 26. Januar 1781 zu Berlin geborene märkische Junker Achim von Arnim. „Männlich schön, von edlem, hohem Wüchse, freimütig, feurig und mild, wacker, zuverlässig und ehrenhaft in allem Wesen, treu zu den Freunden haltend, wo diese von allen
verlassen, war Arnim in der Tat, was andere durch mittelalterlichen Aufputz gern scheinen wollten, eine ritterliche Erscheinung im besten Sinne." So schildert Eichendorff den in poetischen Anschauungen ihm nahe verwandten Dichter, der heute wenig genannt, noch weniger im großen Lesepublikum gekannt ist. Und doch hat Arnim Novellen verfaßt, die den besten Stücken deutscher Erzählungskunst zuzurechnen sind: neben der lustigen Verserzählung „Nembrandts Versteigerung", die Meisternovellen „Jsabella von Ägypten, Kaiser Karl des Fünften erste Jugendliebe" und „Der tolle Invalide auf dem Fort Ra-