Maßgebliches und Unmaßgebliches
Literaturgeschichte
Die Geschichte von Hakon, Hareks Sohn,
die Adolf Dreßler in deutscher- Übersetzung in Heft 44 des Jahrgangs 1913 der Grenzboten veröffentlicht hat, ist als LöZutnüttr st rtÄkoni HäreKss^ni im 11. Bande der k^ornmsnnÄ sögur abgedruckt, jener Sammlung von Sagen und Geschichten der Alterleute, die im Jahre 1823 in Kopenhagen erschienen ist.
Ein tKÄtr ist eine Erzählung aus dein Leben eines einzelnen Mannes, die unverarbeitet zwischen Sagen größeren Umfanges nnd Zusammenhanges stehen, und solche tnasttir finden sich in allen Sagen eingestreut.
Der tnüttr von Hakon mischt in seltsamer Weise verschiedenartige Motive. Der Eingang der Erzählung, etwa bis zur Ankunft Vigfus- Hnreks beim Dänenkönig Svein (1047 bis 1074) ist ganz im Tone altnordischer Erzählungskunst gehalten und unterscheidet sich nicht wesentlich, weder im Vortrag noch in den Motiven von den übrigen sü^ur. Dann aber drängen Phantastische und märchenhafte Motive stark nach vorn. Nicht der Glaube an den Zauber und seine gestaltändernde Kraft ist das Auffällige, derartiges findet sich Wohl auch sonst. Erst mit dem Motiv von den Drei Ratschlägen tritt ein nicht bodenständiges Moment ein, wenngleich ein uralter und weitverbreiteter Behelf epischer Erzählung. Er ist am deutlichsten im Ruodlieb ausgeprägt, jenem altdeutschen Roman in lateinischer Sprache, in dem die Anwendung der erhaltenen zwölf Ratschläge den Gang der Ereignisse bestimmt und ausmacht. Auch hier finden sich die Räte, die im ttiütt der König Svein gibt, als erster „traue keinem Noten!" Und
es ist lein anderes Motiv, wenn Parzival die Ratschläge seiner Mutter unverständlich befolgt. Es dient dieses Motiv also als ein Gerüste, das mancher Geschichte die innere Geschlossenheit gibt. Aber auch soust ist unser tti-citr rund und ohne Überschuß gebaut. Jede Vordeutung findet ihre Erfüllung und wenn z. B. Vigfus versichert, er werde Svein rühmen vor allen, so erfüllt er sein Versprechen vor deni trügerischen Engländerkönig aufs beste.
Bloß ein Motiv unter andern, ganz ohne beherrschende Stellung ist jenes, das uns unter dem Titel des Ganges nach dem Eisenhammer durch Schiller geläufig ist. Auch dieses gehört zu den internationalen Er- zählungs- und Märchenmotiven, deren Ursprung, aber auch deren Verbreitung sehr schwer oder gar nicht zu ermitteln ist. Schiller, dessen Ballade mit unserm pütt natürlich nur sehr mittelbar zusammenhängt, schöpfte aus einer französischen Quelle: I^es Lonteniporaines on avsntures cte plus joliss kemmes cts l'ÄZe prösent. Der treue Fridolin heißt hier LKampaZne, sein Gegner pmscm, ctit Vlöro, die Gräfin Is comtosse cte X. . . . Woher Schiller die Namen hat, ist oft nachzuweisen versucht worden; man entdeckte eine Gräfin von Saarwerden, die das Urbild der Kunigunde von Savern sein sollte, man suchte die Ballade zu lokalisieren, und endlose literarische Fehden, die in Picks Monatsschrift für die Geschichte Westdeutschlands und anderswo ausgefochten wurden, drehten sich um diese Frage.
Außer der französischen kennt man noch eine portugiesische Fassung, ja eine indische usw. Eine meistersängerische Bearbeitung