Maßgebliches und Unmaßgebliches
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seelische Grundlage pflegen, auf der sich jede Art von Bürgertum erst entwickeln kann: den ungehemmt und rein funktionierenden menschlichen Körper. Wer deshalb die Sportpflege mit irgendwelchen sozialen oder allgemein geistigen Tendenzen beschwert, der zerbricht ihren besten Sinn und Wert." Wenn der alte Turnvater Iahn diesen Satz gelesen hätte, hätte er voraussichtlich eine sehr drastische Antwort bei der Hand gehabt. Die „allgemein geistigen Tendenzen" — lies: kräftige nationale Gesinnung — scheinen mir denn doch in der Turnkunst dem Ursprung nach wichtiger zu sein, als die bloße Körperpflege. Friedrich Ludwig Iahn war kein Orthopäde; er hat Deutschland befreien wollen. (Ich weiß schon, Herr Bab, Sie wollen es auch „befreien"; aber Iahn würde über Ihren Freiheitsbegriff zu einer Salzsäule erstarren.) Also kehren wir den Spieß um: daß manche „Liberale" sich nicht soweit von ihrem Fraktionsgeist befreien können, um eine allgemein nationale Sache unpolitisch zu beurteilen, soll uns nicht hindern, nationale Jugendpflege zu treiben. Fürchten müssen wir in der Jugendpflege selbst nur die Radikalen, die Sozialdemokraten; denn für die kleineren Fraktionsunterschiede hat die Jugend zu wenig Interesse, als daß die Spaltung hineinbringen sollten. Die Gefahr der Unzufriedenen von Nicht-ganz- links ist nur die, daß sie uns selber die Lust an der Arbeit verekeln. Soll ihnen aber nicht gelingen. Nach wie vor wird Konservativ und Liberal in der Jugendpflege gerade seine nationale Einheit finden. Denn treue Arbeit ist die
beste Einigung. Sigismund Rauh
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Bismarck- Literatur
Eine Anregn»,, zum Bisnmrck-Jubiläum 1915. Bismarck sagt. , . schreibt, . . meintl Wer täglich mehrere Zeitungen der verschiedensten Färbung lesen muß, dem kommt auch täglich von neuem zum Bewußtsein, welche Vielseitigkeit den Fürsten Bismarck in seiner Eigenschaft als Politiker auszeichnete. Heute ist er Eideshelfer für alle bürgerlichen Parteien mit Einschluß des Zentrums, und auch die sozialdemokratische Partei könnte sich öfter auf ihn berufen, wenn sich ihre Schreibgewaltigen nur der Mühe unterziehen wollten, seinen literarischen Nachlaß aufmerksam zu studieren. Man könnte glauben, Gustav von Schmollers Wunsch, daß die Lehren geschichtlicher und politischer Weisheit, die Bismnrcks Gedanken und Erinnerungen predigen, als Samcnkörnchen wirken und tausendfach auf
gehen mögen, wäre bereits zur Wirklichkeit geworden. Leider sind wir noch nicht so weit. Bei den Berufungen auf Bismarck wird noch fast immer verschwiegen, daß der Altreichskanzler zu demselben politischen Thema zu verschiedenen Zeiten auch verschiedene Ansichten vorgetragen hat. Dagegen könnte man rein vom Standpunkt des Politikers aus nichts einwenden, wenn nicht auch eine große Gefahr mit solcher Gepflogenheit verknüpft wäre: die Verwirrung der politischen Begriffe in der Nation. Die Verheerungen, die die kritiklose Berufung auf Aussprüche Bismarcks schon angerichtet hat, kommen uns recht zum Bewußtsein bei Betrachtung der offenkundigen Fehler, die Regierung und bürgerliche Parteien in den letzten zwanzig Jahren begangen haben, sie werden uns gegenwärtig, wenn wir beobachten, wie leicht unter Berufung auf Bismarck Stimmung für oder gegen jede Idee ge-