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Die Industrialisierung Skandinaviens als europäisches politisches Problem
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Die Industrialisierung Skandinaviens als europäisches politisches Problem

von Lrich Lilienthal in Berlin

Vgl. hierzu den AussatzDeutschland und Schweden" in Heft 2« des Jahrg. 1912 der Grenzboten. D. Red.

m germanischen Norden hat eine Entwicklung eingesetzt, deren Tragweite im übrigen Europa von nur wenigen gekannt und entsprechend gewürdigt wird. Seit langer Zeit war von den unerschöpflichen Naturschätzen Skandinaviens in der europäischen Fachpresse die Rede gewesen; aber erst seit etwa einem halben Jahrzehnt, nach Überwindung schwerer Krisen im Beginn des zwanzigsten Jahr. Hunderts und namentlich seit der Auflösung der skandinavischen Union, hat der Wille zur wirtschaftlichen Machtentfaltung erst in Schweden, dann aber auch in Norwegen mit elementarer Wucht sich durchzusetzen begonnen.

Die wirtschaftliche Entwicklung in Schweden wie in Norwegen hat ein fast amerikanisches Gepräge angenommen und kann schon in kurzer Zeit diese Bauern- und Fischervölker zu Industriemächten von Bedeutung umformen. Abgesehen von der für die Soziologen interessanten Veränderung der Psyche beider Völker trägt diese Entwicklung dadurch ein besonderes Kennzeichen, daß sie nicht, wie in anderen europäischen Industriestaaten, durch einen Überfluß von Arbeitskräften getragen wird. Im Gegenteil, die beiden Völker, die im Begriff sind, eine namhafte Industrie hervorzubringen, strecken ihre Herrschaft über ein so wenig dicht bevölkertes Gebiet, daß bisher aus Menschenmangel sogar nicht daran gedacht werden konnte, eine intensivere Bodenkultur zu treiben. Hinzu kommt, daß es bisher trotz aller Anstrengungen, namentlich der schwe­dischen Regierung, nicht gelungen ist, die große Auswanderung nennenswert einzudämmen. Solange aber die Auswanderung andauert, ist an eine ge- Kren,boten IV 1913 IS