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Konrad Ferdinand Meyer, der Novellist
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Aonrad Ferdinand Meyer, der Novellist

von Adolf Teutenberg in Weimar

an könnte den neuzeitlichen Meister der historischen Novelle, der Konrad Ferdinand Meyer in glänzendstem Alleinsem auch heute noch ist, den Dichter der Gebildeten nennen. Denn der Voll­genuß seiner novellistischen Werke setzt ein nicht gewöhnliches Maß von Bildung voraus. Bildung nicht im Sinne aufgespeicherter Vielwisserei die besaß der Dichter, der die vorgezeichnete Gedankenbahn eines akademischen Studiunis niemals folgerecht durchlaufen lernte, wohl selber nicht. Vielmehr Bildung als Menschenkenntnis, Bildung als Stilgefühl, Bildung als psychologische Sinnesschärse, Bildung als Wahrnehmungsvermögen für sprach­liche Reize, mit einem Wort: Bildung als Besitz an künstlerischer Kultur. Dem so Gebildete» hat Meyer viel zu sagen. Er ist die stille Freude des Liebhabers von vornehmem Geschmack, dem die holde Kunst der Andeutung und der knapp­konzentrierten Gestaltung über die der breitspurigen Bezeichnung und der sub­jektiven Gefühlsexplosionen geht. Er ist das leise Entzücken des unblasterten literarischen Feinschmeckers, der das Gebild aus Dichtershandmit den feinen Fingerspitzen des Kunstgefühls zu betasten" liebt. Er ist der gute alte Freund des durchbildeten Weltmannes, der gern mit sehr distinguierten Leuten zu tun hat. Er ist der gern aufgesuchte Umgang des religiösen Menschen, dem aus schmerzvoller Weltkenntnis die erlösende Resignation erwuchs und dermit der höchsten Gerechtigkeit einer vollkommenen Menschenkenntnis" alle Dinge zu wägen bestrebt ist. Für das breite Publikum dagegen ist Meyer ein Schwer­verständlicher und Schwerverdaulicher. Er kocht ihm nicht die breiten Bettel­suppen, die seinen Magen letzen. Er kitzelt die Nerven nicht durch schwüle Erotik. Er hat es nicht mit Gegenwartsmenschen und Tagesfragen. Dazu der lästige Geschwindschritt der Darstellung, die mit wenigen, aber allerdings ge­wählten Worten innerste Seelenvorgänge entschleiert und große Tableaus auf­rollt, nie behaglich ausruht oder ausruhen läßt und immer ins Große stilisiert. Und zuletzt die Schwierigkeiten derRahmenerzählung", das heißt die Zumutung, auf Erzählung und Erzähler zugleich zu achten und auch die Zuhörer des Er­zählers nicht aus dem Auge zu verlieren . . . Das ist zuviel für den Durch­schnittsleser, der nicht auf künstlerischen Feingenuß, sondern auf grobsinnliche

Grenzbote» IV 1913 11