Deutsche Rheinmündung
Einige Betrachtungen über die militärische Seite des Probleins von Dr. Adolf Loppius in Berlin--iLharlottcnburg
er Gedanke der Schaffung einer Kanalverbindung großen Stils vom Rhein zur deutschen Nordsee, um dem Rhein einen unabhängigen deutschen Auslaß zur See zu geben, hat seit mehr als Jahresfrist den Anlaß zu vielfachen Erörterungen über das Für und Wider in der Öffentlichkeit gegeben. Die außerordentliche Tragweite dieses Projektes für unsere Volkswirtschaft hat ihm viele Freuude und Förderer geschaffen. Freilich fehlt es auch nicht an Gegnern.
Bei den bisherigen Erörterungen wurden in erster Linie und überwiegend die in Betracht kommenden Fragen der deutschen Verkehrs» und Wirtschaftspolitik behandelt, während die daneben konkurrierenden militärischen Interessen kaum gestreift worden sind. In der Tat liegen ja die politischen, Verkehrs- und wirtschaftspolitischen Fragen dem Publikum viel näher, liegen sozusagen auf der Hand. Einen wie großen Wert es für die deutsche Volkswirtschaft haben würde, wenn ein erheblicher Teil unseres gewaltigen, sich aus dem Westen Deutschlands über die niederländischen Häfen bewegenden überseeischen Handels und Verkehrs, von diesen nach einem deutschen Seehafen abgelenkt, und so von fremder Tributpflicht unabhängig gemacht werden könnte, ist so selbstverständlich, daß es kaum einer näheren Begründung bedarf. Der Verfasser glaubt deshalb in seine,» Ausführungen'um so mehr davon Abstand nehmen zu können auf diese Seite des Projektes einzugehen, als die einschlägigen Fragen schon, wie erwähnt, mehrfach in der Presse behandelt worden find. Dagegen hält er es für wesentlich, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die mit der Schaffung eines unabhängigen deutschen Rheinauslasses zur See verbundenen wichtigen militärischen Interessen hinzulenken.
vrenzboten IV 191S 10