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Die Posener Akademie : ein Rückblick und ein Vorblick
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Die posener Akademie

Lin Rückblick und ein vorblick von Rudolf Lehmann in Posen

ie Königliche Akademie zu Posen tritt mit Beginn des kommenden Winters in das zweite Jahrzehnt ihres Bestehens. Ein solcher Abschnitt regt zur Rückschau an, zur Würdigung dessen, was bisher geschehen und erreicht ist. Wieviel von den hoffnungsvollen Worten, die der erste Rektor Eugen Kühnemann am 4. November 1903 bei der Eröffnungsfeier sprach, ist in Erfüllung gegangen?Wir sind auf dem Wege der großen Traditionen der preußischen Unterrichtspolitik," so verkündete er damals mit freudigem Stolze. Hat die Entwicklung der Akademie dieser hochgemuten Zuversicht entsprochen?

Eine Anerkennung darf die Akademie ohne Anmaßung beanspruchen. Daß die Hörerzahl seit jenen Tagen gespannter und hoffnungsvoller Erwartung nur unbeträchtlich zurückgegangen ist von etwa 1100 auf etwa 900 Hörer im Wintersemester, das ist der hingebenden Arbeit des Lehrkörpers zu ver­danken. Und ein zweites, was der deutschen Bevölkerung Posens zur Ehre ge­reicht, wird durch eben diese Tatsache bewiesen: ein ausgesprochenes Bedürfnis, ein intensives Interesse im Publikum ist der neuen Schöpfung entgegengekommen und hat ihr die Lebensfähigkeit bis heute gewahrt.

Aber wir können es nicht verhehlen: einen Fortschritt hat die Akademie seit den Gründungsjahren nicht gemacht. Eine Entwicklung aufwärts ist nicht zu verzeichnen, weder in bezug auf die Hörerzahl, noch in bezug auf ihre Gesamtstellung und ihre Bedeutung für das Geistesleben der Provinz. Man hat wohl von einer Hochburg deutscher Wissenschaft in der Ostmark gesprochen. Ein Vorwerk, von einer kleinen Anzahl willenskräftiger Männer besetzt und ver­teidigt, wäre ein richtigerer Vergleich. Eine Verstärkung ist dieser Besatzung seit Jahren nicht mehr gekommen: das einzige und letzte Mal. daß der Lehr­körper einen nennenswerten Zuwachs erhielt, war im Jahre 1906. als außer zwei neuen Geschichtsprofessuren eine germanistische begründet wurde. Seitdem ist nur für Kunstgeschichte eine neue, übrigens nicht etatsmäßige Stelle ein-