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Maßgebliches und Unmaßgebliches
des Negativs entsprochen werden müsse. Geht man so vor, dann wird man selbst gegen die Aufnahme militärischer Übungen, die wir sogar mit Einschluß des Scharfschießens von Artillerie für ganz besonders wünschenswert halten, nichts Ernstliches einzuwenden vermögen.
Wenn die Filmindustrie systematischer als bisher mit Unterstützung der Behörden und des Publikums die Herstellung zeitgeschichtlicher Films in Angriff nimmt, so werden diese Films nicht nur in Gemeindekinos, in Musterlichtspielhäusern gemeinnütziger Vereine, in kinematographischen Vorträgen von Gesell- sellschaften für Volksbildung, in Sondervorstellungen für das Militär, für Jngenieurvereine, volkskundliche Vereine u. dgl. gezeigt werden, sondern immer mehr auch die Gunst des großen Publikums sich erringen und deshalb auch in den üblichen Kinematographentheatern vorgeführt werden. Diese erfreuliche Entwicklung zu fördern ist Sache eines jeden, der auf sein Panier geschrieben hat: „Verderben dem Schundfilm, Förderung dem guten Film!"
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Philosophie
Der Monismus als Weltanschauung. Wir
leben ja nun Wohl oder übel im „monistischen Jahrhundert", seit Wilhelm Ostwald am Schluß der Hamburger Monistentagung es offiziell eröffnet hat. Zwar — der Herr Geheimrat fragte nicht erst biel — er „eröffnete" es einfach. Wir müssen uns Wohl aber damit abfinden. Gut, leben wir also monistisch I
Aber der Praktische Wert des Monismus als Weltanschauung ist nicht so sehr leicht zu erweisen. Es gibt sogar Leute, die behaupten, der Mantel des Monismus sei für einen geistig einigermaßen ausgewachsenen Menschen unmöglich Passend zu machen, er sei bald hier, bald da zu kurz und decke nicht die geistige Blöße. In einem scharf kritischen Aufsatz der Zukunft (Heft 38, 1913) nennt Oscar A. H. Schmitz den Monismus die „Weltanschauung der Halbgebildeten" und weiß seine Meinung durch gute Gründe zu stützen. Es soll hier aber nicht so sehr auf theoretische Kritik als vielniehr auf die Praktische Erprobung des Monismus im Leben, auf seinen praktischen Wert als Welt- und Levensan- schauung ankommen. Ist eS dem Menschen
möglich, die naturwissenschaftlich-monistische Weltanschauung im Leben lückenlos durchzuführen und beizubehalten?
Diese Frage beantwortet Sigurd Ibsen in seiner Essay-Sammlung „Menschliche Quintessenz" (S. Fischer, Verlag, Berlin), namentlich in dem ersten der vier Aufsätze: „Natur und Mensch" in geistvoller und anziehender Weise — negativ. Er rechnet den Monismus zu jenen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die wir uns nur als Kenntnisse aneignen, die aber nicht tiefer in unser Bewußtsein Vordringen, so wie wir etwa die wissenschaftliche Richtigkeit der Kopernika- nischen Theorie anerkennen, in der Praxis aber dem Ptolemäus huldigen.
Der Monismus kann aber auch nicht die Grundlage für eine Praktische Weltanschauung abgeben, er kann gar nicht tiefer in das Bewußtsein des Menschen eindringen: denn er würde für den Menschen „einen vollständigen Verzicht auf das Menschliche, ein Aufgehen unseres Ichs in ein Nicht-Ich voraussetzen". Für den Menschen ist der Anthropozen- trismus die natürliche Weltanschauung, in die er immer und immer wieder zurückfällt. „Der Mensch ist nun einmal von allen Gegenständen