Über den Ursprung des Lebens
von Vtto Leo in Rassel
ie Gewißheit, daß wir leben, daß wir als ein in Raum und Zeit einheitliches Fürsichsein Wirkungen erleiden und zugleich Ausgangspunkt von Wirkungen sind, diese unzweifelhafte Gewißheit unseres eigenen Daseins und Betätigungsvermögens — das ist die unerläßliche Voraussetzung, die notwendige Bedingung aller Erfahrung, alles Erkennens und alles Wollens.
Als unmittelbar gegebene Tatsache und notwendige Voraussetzung aller Erkenntnis kann das Leben nicht Ergebnis wissenschaftlicher Forschung sein. Das Leben muß immer schon da sein, wenn es sich in irgendeiner Form betätigen soll. Auch dann, wenn wir uns einen Zustand des Seins denken, welcher keiu Leben enthalten kann, z. B. die Erde als einen Ball glühender Dämpfe, können wir uns selbst als Träger des Lebens nicht fortdenken.
Die Frage nach dem Ursprung des Lebens erscheint daher als eine müßige; denn sie setzt das, was sie finden will, das Leben, bereits voraus. Wenn diese Frage immer wieder gestellt wird, so muß sie sich auf etwas anderes beziehen als es das Leben ist, dessen wir uns unmittelbar gewiß sind; sie darf sich nur auf etwas beziehen, was Gegenstand unserer Anschauung sein kann, auf einen Begriff des Lebens, dem durch die Sinne vermittelte Wahrnehmungen zugrunde liegen, also objektive Wirklichkeit, der wir eine von unserem Leben unabhängige Existenz zuschreiben.
Fassen wir die Vielheit und Mannigfaltigkeit der durch die Sinnestätigkeit vermittelten und gestalteten objektiven Wirklichkeit in dem Begriffe „Natur" zu- sammen. so ergibt sich die Unterscheidung des „Lebens in der Natur" von dem „Leben an sich", wie es uns in unserem eigenen Dasein unmittelbar gegeben ist.
Nur dem „Leben in der Natur" darf die Frage nach dem Ursprung des Lebens gelten. —
Wir gelangen zu dem Begriffe des „Lebens in der Natur" dadurch, daß wir innerhalb des Gesamtbegriffes der Natur Zustände und Vorgänge erkennen, Zeiche sich einerseits durch ihre Merkmale von den übrigen sondern, anderseits