Maßgebliches und Unmaßgebliches
Siedlung-Politik
Die Zukunft der Preußischen Ansiedlungs- politik in der Ostmark. Der Aufsatz eines „alten Ostmärkers" in Heft 34 der Grenzboten hat vielfache Beachtung gefunden und mir eine Reihe von Zuschriften eingetragen, die die allgemeinen Darlegungen des Verfassers unterstreichen, sich aber meist gegen die Schaffung eines Qstmarlenrates wenden. Ein Ostmarkenrat werde die gegenwärtig vorhandenen Widerstände, die in erster Linie vom Großgrundbesitz ausgehen, auch nicht beheben; diesem werde die Tätigkeit der Ansiedlungs- kommission immer verdächtig bleiben, auch wenn man ihm noch so viel Konzessionen machen wollte. In diesem Zusammenhange wird in einer Zuschrift ganz besonders auf die Notwendigkeit hingewiesen, dem Präsidenten volle Selbständigkeit beim Ankauf von Land einzuräumen.
Diese Forderung deckt sich mit der wiederholt auch von mir vertretenen, die Ansiedlungs- kommission ihres Politischen Charakters zu entkleiden und daraus ein technisches, von den Regiminalbehörden völlig unabhängiges Ministerium zu machen, in dem alle Sied- lungsangelegenheiton bearbeitet und in letzter Behördeninstanz entschieden werden (vgl. auch die Anregung in Heft 10 d. I., S.448 ff). Die Stellung des „Siedlungsministers" müßte derart sichergestellt sein, daß ein charaktervoller, sich seiner nationalen und sozialen Aufgaben bewußter Mann die schon heute vor die Ansiedlungskommission gestellten Probleme großzügig zu lösen imstande wäre. Bei der heutigen Stellung des Ansiedlungspräsidenten
wird auch die tüchtigste Kraft erlahmen müssen.
Ein bezeichnendes Beispiel für die Widerstände aus Großgrundbesitzerkreisen: Bekanntlich liegt eine der Hauptsorgen unserer Landwirtschaft in deni Mangel an Landarbeitern. Die Ansiedlungskommifsion ist nun seitens des Großgrundbesitzes gerade deshalb angegriffen worden, weil sie sich bis zu einem gewissen Zeitpunkte außerstande erwies dieser Not abzuhelfen. Erst als die deutsche Siedlung in Posen und Westpreußcn einen gewissen Umfang erreicht hatte, wurde es möglich, auch die Arbeitersiedlung in größerem Maßstabe aufzunehmen. Ich irre mich Wohl nicht, wenn ich annehme, daß ^>er eben zurückgetretene An- siedlungspräsident l)r. Gramsch ein verhältnismäßig flottes Tempo in die Schaffung von Arbeiterstellen gebracht hat. In den letzten fünf Jahren sind jedenfalls annähernd zweitausend Arbeitsstellen geschaffen worden, auf denen rund zwölf- bis vierzehntaufend Menschen deutschen Stammes Unterkunft gefunden haben. Die Wirkung dieser Zahlen ist aber um so größer, weil die Aufteilung eines Gutes in mittlere Bauernstellen den Arbeiterbedarf für die betreffende Gegend erheblich verringert, der Zuwachs an Arbeitskräften somit fast vollständig den übriggebliebenen Großgrundbesitzern zugute kommt. Nun sollte man meinen, daß der Großgrundbesitz das seinige tun würde, um die mit vielen Unkosten und Mühen angesetzten Landarbeitcr zu halten, indem er ihnen möglichst viel Arbeitsgelegenheit eröffnet. — Weit gefehlt I Die den Arbeiteransiedlungen benachbarten Großgrundbesitzer verhalten sich gegen die Beschäftigung solcher