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Die englische Orientpolitik
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Die englische Grientpolitik

von Freiherrn Albrecht von ZVoellwarth in London

ie Balkanrede Sir Edward Greys im englischen Unterhaus vom 12. August 1913 formuliert die Stellung Großbritanniens in der Adrianopelfrage folgendermaßen:

Die britische Politik gegenüber der Türkei besteht darin, die türkische Herrschaft und ihre Unverletzlichkeit in ihrem asiatischen Gebiet und dem Gebiet jenseits der Linie Enos-Media zu befestigen und zu sichern. Diese Politik hängt aber von dem guten Willen der übrigen europäischen Mächte ab. England allein kann diese Politik nicht erfolgreich durchführen, denn viele andere Mächte haben auch ein Interesse an der asiatischen Türkei. Was geschehen kann, muß auf Grund allgemeiner Zustimmung geschehen. Der gute Wille der Mächte kann aber nichts erreichen, wenn die Türkei ihren Rat bezüglich Adrianopels und Thraziens nicht befolgt. Früher oder später, sei es durch finanzielle Not oder durch die bewaffnete Intervention einer oder mehrerer Mächte, deren Rat verschmäht wurde, würde Unheil über die Türkei herein­brechen, vor dem wir sie nicht schützen könnten."

Im Einklang mit den von dem Minister des Auswärtigen gemachten Aus­führungen hatte schon Ende Juli der englische Botschafter der Hohen Pforte die Preisgabe Adrianopels dringend ans Herz gelegt. Andernfalls müfse, so erklärte der Botschafter, England es sich überlegen, ob es seine Garantie für die Integrität der asiatischen Türkei noch aufrecht erhalten könne. Es ist be­merkenswert, daß die englische Diplomatie aus ihren Archiven ein Aktenstück hervorsucht, von dessen Existenz man in weiten Kreisen nichts mehr wußte und Grenzbotcn III 1913 25