Die Zukunft der preußischen Ansiedlungspolitik in der Ostmark
von einem alten Gstmärker
ieder einmal lenkt ein Wechsel im Präsidium der Ansiedlungs- kommission zu Posen die allgemeine Aufmerksamkeit auf diese im Vordertreffen des nationalen Kampfes um Posen und Westpreußen stehende Behörde. Der jetzt nach fünfjähriger Tätigkeit von Posen geschiedene Dr. Gramsch ist ein Mann von ganz ungewöhnlicher Gewandtheit und hervorragenden Kenntnissen, der sein Bestes daran gesetzt hat, das große Besiedlungswerk im Osten zu fördern. Und doch empfand er nach einer verhältnismäßig so kurzen Tätigkeit auf dem heißen Boden Posens gleich seinem Vorgänger Blomcy.r, der auch nur fünf Jahre auf dem Posten verblieb, das Bedürfnis, sich auf einen Regierungspräsidentenposten in einer kleinen Stadt des Ostens zurückzuziehen (obwohl er diese Stellung bereits vor seiner Ernennung zum Präsidenten der Ansiedlungskommission bekleidet hatte). Die Kenner der ostmärkischen Verhältnisse wissen auch, daß Rudolf von Wittenburg, der erste langjährige Ansiedlungsprästdent vorher hatte der Oberpräsident Graf Zedlitz- Trützschler dies Amt mitverwaltet —, an dem seine Mitarbeiter und Ansiedler mit der größten Anhänglichkeit und Verehrung hingen, nicht gerne und nicht in Frieden aus der von ihm so sehr geliebten Stellung geschieden ist. Fragt man nun nach den Gründen, die die Stellung des Ansiedlungspräsidenten — und welche Stellung im preußischen Staate könnte an sich dankbarer sein als die, alljährlich etwa zehntausend deutschen Volksgenossen Land und Brot zu geben — so schwierig machen, so sind sie in erster Linie darin zu suchen, daß der Inhaber dieser Stellung bei der tief in alle wirtschaftlichen, sozialen und politischen Verhältnisse einschneidenden Bedeutung, die Ankauf und Aufteilung jedes größeren Gutes für Gemeinde und Kreis. Kirche und Schule, Nachbarschaft und Verkehr. Handel und Wandel naturgemäß haben müssen, trotz des größten Entgegenkommens gegen alle berechtigten Anliegen der Beteiligten viele Wünsche nicht befriedigen kann und manchen vor den Kopf stoßen muß. Bezahlt der Staat ein Gut noch so hoch, so wird der Verkäufer immer finden, daß er nicht genug erhalten, daß das Inventar nicht genügend hoch abgeschätzt ist, daß ihm bei der
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