Zur neueren ZVortkunst
297
anerkannten Rechtsnormen und Rechtssicherheiten zu beseitigen und an ihre Stelle die schrankenlose Freiheit — und damit Vogelfreiheit — des Franktireurs oder NereKant ^äventurer8 treten lassen. Wir sind weit entfernt davon, zu glauben, daß die britische Admiralität solche Ergebnisse wünscht; sie kann sie im eigensten Interesse der britischen Schiffahrt nicht wünschen I Sie sind aber unausbleiblich, zumal in einem länger dauernden Kriege. Europäische Seekriege werden aber sehr lange dauern, zumal ein deutsch-englischer, der damit übrigens keineswegs an die Wand gemalt werden soll.
Deutschland, welches, wie wir gesehen haben, von der britischen Maßnahme allein „gemeint" wird, kann sie und ihre weitere Entwicklung einstweilen mit Ruhe betrachten. Ganz abgesehen von allen die Praxis betreffenden Erwägungen aber wollen wir nicht verkennen, daß dieses moderne britische Bekenntnis zum „8lnK, burn, äö8tro^" politisch und rechtlich die deutsche Position zu einer außerordentlich günstigen macht. Möge man sie klug benutzen!
Zur neueren Wortkunst
Sprachliche Studien zu Detlev von Liliencron von Dr. Hans Gürtler
ach Wahrheit in der Literatur lechzen wir," sagt Liliencron. ^Was Idealismus, was Realismus? Beides vereinigt, ineinanderlaufend, so solls sein." Er hat damit das Gepräge der neueren Richtung ausgesprochen. „Allerdings, die Künstlerhand darf dann nicht .fehlen." ^ , . - -
„Wir werden niemals den Begriff Idealismus, den Begriff Realismus ganz haarscharf erklären können," fährt er an jener Stelle in der Novellensammlung „Roggen und Weizen" fort. Auf seine eigene Dichtung paßt keiner der beiden Begriffe restlos, Liliencrons Dichtung ist durch und durch impressionistisch gefärbt, und dieser Begriff deckt sich auch vollkommen mit dem Naturell des Dichters. ^ ,
Die impressionistische Kunst hält sich nicht an nebensächlichem Beiwerk auf; ihr Blick geht aufs Ganze. Den Gesamteindruck des Ganzen in wenigen, knappen Strichen möglichst naturgetreu wiederzugeben, so daß der Zuschauer sofort ein anschauliches Bild vor sich entstehen sieht, gilt ihr als vornehmste Aufgabe. Das gleiche Ziel wie der Maler, der Bildhauer, der Musiker, muß auch der impressionistisch schildernde Dichter verfolgen. Ihm muß es darauf ankommen.