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"L'homme machine" im zwanzigsten Jahrhundert : Anfänge einer Wirtschaftspsychologie
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I^'Komms maclime" im zwanzigsten Jahrhundert

vorteilhaftere ersetzte, durchschnittlich dreihundertmidfünfzig Ziegel in der Stunde zu verlegen. Die Anwendung desSystems" bei Stahlkugelarbeiterinnen ergab, daß fünfunddreißig Mädchen nunmehr dasselbe Arbeitsquautnm lieferten wie vorher einhundertundzwanzig; dabei war die Genauigkeit der Arbeit zweidrittelmal größer als früher und die Arbeitszeit war pro Tag von 10^ auf Stunden ge­sunken. Der entscheidende Faktor für dies Ergebnis war die sorgfältige Aus­lese der Arbeiterinnen unter Zuhilfenahme einfacher psychologischer Experimente, die darauf hinzielten, ihre Reaktionsfähigkeit zu prüfen. Nur solche Ar­beiterinnen, die eine kurze Reaktionszeit hatten, wurden in den Betrieb ein­gestellt, sofern sie sonst andauernd und fleißig waren.

Die Auslese der Arbeiter ist überhaupt beim Taylor-System wohl die schwierigste und zugleich die wichtigste Aufgabe für die Betriebsleitung. Es gilt vor allen Dingen Leute ausfindig zu machen, die einer völlig veränderten Auffassung von ihrer Stellung zur Arbeit und zu den Arbeitgebern zugänglich sind. Wir wissen zur Genüge, daß die Arbeiter in ihrem Arbeitgeber meistens ihren Ausbeuter sehen und von der Verbreitung des Widerwillens gegen die Arbeit hat uns Adolf Levenstein durch seine Enqueten erst kürzlich Stichproben gegeben.*) Es ist aber keine Sentimentalität, sondern gesunde Realpolitik, wenn versucht wird diese Zustände, die für den Produktionsprozeß Hemmnisse bedeuten, zu beseitigen oder wenigstens einzudämmen. Taylor geht von der Überzeugung aus, daß die wahren Interessen beider Parteien, der Arbeitgeber und der Arbeit­nehmer in gleicher Richtung liegen, eine Überzeugung, der ja oft genug Aus­druck gegeben worden ist, die Taylor aber den Arbeitern im Verlauf der Arbeit Schritt für Schritt zu beweisen sucht. Sein ganzes System ist getragen von dem Gedanken, daß die Produktion bis zu ihren letzten Elementen eine bewußte Synthese der Leistung des Arbeiters und der Betriebsleitung sein muß. Durch eine genaue Feststellung der zweckmäßigsten Arbeitstechnik, durch Schulung der Arbeiter, ihre ständige Kontrolle und Unterstützung seitens entsprechend vor­gebildeter Arbeitsleiter, lastet nun die Mühe und Verantwortung beinahe gleich­mäßig auf beiden Parteien. Die Einführung der einheitlichen Arbeitsmethoden, der zweckmäßigsten Arbeitsgeräte und Arbeitsbedingungen kann natürlich nur zwangsweise seitens der Leitung erfolgen, aber der Erfolg wird nur durch in­dividuelles Studium, individuelle Behandlung und entsprechende Bezahlung der Arbeiter gesichert. Es ist natürlich, daß jeder einzelne Arbeiter bei Massen­arbeit weniger leistet als wenn sein persönlicher Ehrgeiz angeregt wird, wie dies beim Taylor-System der Fall ist. Sein Lohn kann bei Anwendung der wissen­schaftlichen Betriebsleitung um 80 bis 100 Prozent steigen. Trotz höherer Löhne und vermehrter sonstiger geschäftlicher Ausgaben verringert die Betriebs­leitung durch ökonomische Benutzung der Menschenkraft ihre Unkosten und kann mit einer wesentlich verbesserten Arbeitsqualität rechnen.

*) Vergleiche den AufsatzBeiträge zu einer Psychologie der Arbeiter" von Dr. D. Meyer in Heft 22 dieses Jahrgangs der Grenzboten.