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Die armenisch-kurdische Frage
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Die armenisch-kurdische Frage

von Bernh, Moritz in Berlin-Siidcnde

eitdem der Frieden zwischen der Türkei und den Balkanstaaten zustande gekommen ist. hat sich der Schwerpunkt der orientalischen Frage ganz erheblich von der Balkanhalbinsel fort nach Asien verlegt. Es sind heute in erster Linie die nationalen Probleme in den asiatischen Landesteilen, von deren Lösung der Weiterbestand der türkischen Herrschaft in Asien zum guten Teil abhängen wird.

Indem wir uns bei Betrachtung dieser Probleme auf das Stammland des Reiches, Kleinasien, beschränken, lassen wir die arabische Frage beiseite, die zudem bei der letzthin auf beiden Seiten eingetretenen Mäßigung einen akuten Charakter vorläufig nicht zu haben scheint.

Die Nationalitätenfrage ist in Kleinasien von derselben Bedeutung wie in den verlorenen europäischen Provinzen. Auch hier sitzen, zum Teil neben­einander, zum größeren Teil aber durcheinander. Völker verschiedenen Stammes, verschiedener Religion, verschiedener kultureller Begabung und geschichtlicher Ent­wicklung.

Durch die großen Völkerwanderungen tatarisch-türkischer Stämme aus Zentral­asien seit dem 10. Jahrhundert, die mit der osmanischen Eroberung um 1620 ihren Abschluß fanden, hat sich das türkische Volkselement über die ganze Halb­insel als herrschendes festgesetzt. Die älteren Völkerschaften sind fast alle in der Rasse der Eroberer aufgegangen. Der einzig größere Rest, der der Absorbierung widerstanden und in neuerer Zeit durch Zuwanderung eine Vermehrung erfahren hat. sind die Griechen; sie sitzen hauptsächlich am Westrande, und an der Südost­küste des Schwarzen Meeres bei Trapezunt. Eine griechische Frage ist zwar bisher noch nicht entstanden. Wie es aber in Zukunft werden kann, wenn das mächtig Grenzboten III 1913 1